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P3: Pleiten, Pech und Pannen

FC St. Pauli Radsport auf dem Zeitfahren Hamburg-Berlin 2009

17.10.2009

P3 - eigentlich war das teamintern das Kürzel für die Pauli Pasta Party am Vorabend des Zeitfahrens. Aber es sollte anders kommen! Nach dem »Zeitfahren« Hamburg-Berlin am 17. Oktober 2009 ist P3 beim FC St. Pauli Radsport die Abkürzung für Pleiten, Pech und Pannen: viel geschrottetes Material, eine Gehirnerschütterung sowie leichtere Verletzungen sind die Bilanz der diesjaährigen Veranstaltung.

Das Vorderrad eines Team-II-Fahrers nach dem Gruppencrash Das Vorderrad eines Team-II-Fahrers nach dem Gruppencrash

»Zeitfahren« von Hamburg nach Berlin?

Das »Zeitfahren« Hamburg-Berlin ist inzwischen eine Traditionsveranstaltung, die jeweils Mitte Oktober stattfindet - für viele zum Ausklang der Saison. Seit 2001 veranstaltet der Audax-Club Schleswig Holstein mit seinem rührigen (und immer selbst mitfahrenden) Vorsitzenden Burkard Sielaff dieses Langstreckenrennen, auch »Brevet« genannt. Die Zugvögel, die in dieser Zeit wegen des nahenden Wintereinbruchs gen Süden schwärmen, hat sich der Audax-Club davei zum Vorbild genommen (siehe http://www.audaxclub-sh.de/node/45).

Zugvogel-Formationen Zugvogel-Formationen

Bei dem »Zeitfahren« sind sowohl Einzelfahrer als auch Teams aus maximal 5 Fahrern zugelassen. Die Siegermannschaften machen daraus jedes Jahr ein Mannschaftszeitfahren mit ca. 40 km/h, das zu einem großen Teil auf der Bundesstraße 5 verläuft. Noch schneller war in den vergangenen Jahren der Liegeradler Christian Ascheberg, der den Teams mit einer giftig gelben vollverkleideten Maschine und einem Durchschnitt von 42 km/h davonfuhr (diesmal aber locker mit einer Mitstreiterin auf einem Tandem pedalierte und etwa gleichzeitig mit uns ins Ziel kam). Die anderen Teams und Einzelfahrer gehen die Sache etwas lockerer an und erfreuen sich der schönen Strecke: vom Altengammer Färhhaus geht es über eine Brücke bei Geesthacht zunächst südseitig der Elbe i. W. auf der Elbuferstraße bis Hitzacker; kurz vor dem Erreichen dieses hübschen Örtchens sind einige giftige Hügel zu überwinden. Hinter Hitzacker muss wieder die Elbe auf einer Brücke Richtung Dömitz überquert werden, wo sich er einzige Kontrollpunkt der Veranstalter befindet (nach knapp 100 km). Dort sind auch unterstützende Fahrzeuge zugelassen; auf der Strecke sind diese ansonsten vom Veranstalter nicht zugelassen bzw. werden als Regelverstoß angesehen. Da es abgesehen von den beiden Brücken und dem Kontrollpunkt keine festgelegte Strecke gibt, kann der Streckenverlauf ansonsten frei gewählt bzw. auf das Ziel hin optimiert werden. Die meisten Teilnehmer/innen versuchen dabei, die Hauptverbindung HH-Berlin, die Bundesstraße 5 zu umgehen und kommen so über das malerische Havelberg durch viele kleine Orte im Umfeld der Havel, um schließlich über Nauen und Falkensee nach Berlin-Spandau zu gelangen. Im direkten Nachbarort von Spandau, befindet sich das Ziel, das Wassersportheim Gatow. Je nach gewählter Strecke benötigt das Unternehmen 270 bis 290 km. Auf einer auf Geschwindigkeit optimierten Strecke von ca. 275 km kam das Siegerteam 2009 mit 7:15 aus (RG Uni Hamburg unter dem phantasievollen Teamnamen »Hole In One And The Band«); das letzte Team (»Rückenwind und Sonnenschein«) fuhr gemütlich auf der schöneren Strecke und benötigte mehr als das Doppelte dieser Zeit.

Aus dem St. Pauli-Forum heraus entwickelten wir den Plan, in diesem Jahr mit zwei Teams anzutreten, nachdem wir schon in den beiden letzten Jahren mit einem 2er- (2007) und einem 5er-Team (2008) auf der Strecke waren. Zwar waren wir in diesen Jahren sportlich nicht wirklich erfolgreich gewesen (2008 brauchten wir 10:42 und bekamen zusätzlich noch eine Zeitstrafe von 0,5 h wegen eines Abbruchs); die Sache hatte aber so einen Spaß gemacht, dass wir unbedingt wieder auf die Strecke wollten. Mit ursprünglich 8 Personen bildeten wir die beiden Teams FC St. Pauli I und II - Team I wurde aus den schnelleren Fahrern zusammengestellt und war entsprechend ambitioniert. Nach dem Reglement des Audax-Clubs starten die langsamen Teams früher als die schnellen, so dass als Startzeiten 6;57 für Team II und 7:07 für Team I festgelegt worden waren. Bedingt durch diese frühen Startzeiten musste mit Licht gestartet werden (das aber nur für knapp 1,5 h benötigt wurde).

Mit einigen Spezialtrainingseinheiten (Teilnahme an Brevets und Teilnahme an einer RTF in Raisdorf/Kiel mit anschließendem Rückweg auf dem Rad) bereiteten wir uns auf das Event vor.

Start im Regen

Frühstücksbüffet im Altengammer Fährhaus Frühstücksbüffet im Altengammer Fährhaus

Der Oktober kann ja so »gülden« sein ... In diesem Jahr wurde uns dieses Glück nicht beschert. Mit dem Bulli ging es »mitten in der Nacht« bei Regenwetter zum Altengammer Fährhaus, dem Startort, an dem der Veranstalter auch ein reichhaltiges Frühstück bereitstellte. Nachdem dieses etwas hastig eingenommen worden war und dabei viele bekannte Gesichter aus der Hamburger Langstreckenradler-Szene gecheckt waren, hieß es dann, die Startnummer am Fahrrad zu befestigen (Neuerung 2009: mit Barcode!), das Licht zu kontrollieren, alles anzuziehen, was der Rucksack hergab und an den Start zu rollen. Weiteres Gepäck, Verplegung und Ersatzteile konnten wir unserem Bulli für den Transport nach Dömitz bzw. Berlin anvertrauen.

Vorbereitung im Regen Vorbereitung im Regen

Und schon war es soweit: wir rollten los [Anm. d. Verf.: da ich im Team II vertreten war, ist der weitere Verlauf aus der Sicht dieses Teams beschrieben]. Eventuelle Hurra-Schreie wurden aber durch den jetzt erst richtig einsetzenden Regen schnell zum Schweigen gebracht. Allerdings gab es eine ordentliche »Kanne« Rückenwind, so dass wir trotzdem zügig in knapp 3 Stunden bereits Dömitz erreicht hatten. Obwohl wir hier eine kleine Pause einlegten und uns vom Support-Team mit warmem Tee und selbst gebackenen Kuchen lecker verpflegen ließen, hatte zu diesem Zeitpunkt das Team I leider noch nicht aufgeschlossen. Schließlich machten wir uns auf den Weg nach Havelberg, zumal wir während der Pause schnell abkühlten und mindestens die Füße und Finger inzwischen weitgehend »abgestorben« waren.

Am Kontrollpunkt in Dömitz Am Kontrollpunkt in Dömitz

Pech und Pannen

Der Weg ging zunächst sehr gut voran, bis wir uns etwas unkonzentriert vor Wittenberge kurzzeitig aus den Augen verloren, als eine etwas größere Gruppe aufgeschlossen hatte. Da an dieser Stelle die Strecke kompliziert war bzw. mehrere Möglichkeiten bot, dauerte es etwas, bis die Gruppe wieder zusammengefahren war. Inzwischen war das Gruppentempo zwar etwas reduziert, ansonsten arbeitete das Team aber gut zusammen - zeitweise wurde es sogar trocken und die Sonne zeigte kurzzeitig ihr Gesicht. Genau in Havelberg gelang es dann endlich dem Team I, zu uns aufzuschließen, allerdings unter musste ein Opfer gebracht werden: ein Fahrer, der das Team I vorher schon etwas »gebremst« hatte, gab entkräftet auf (er hatte im Vorfeld zu wenig trainiert, was sich auf einer Langstreckenfahrt unter solchen Bedingungen stark rächen kann).

Team II in Havelberg Team II in Havelberg

Wir einigten uns schnell, mit dem verbliebenen Fahrern gemeinsam zu fahren, zumal die ursprünglichen Ambitionen von Team I leider inzwischen verflogen waren. Mit jetzt 6 Fahrern kamen wir gut voran. Leider sollte die Pechsträhne jetzt erst richtig beginnen: in einem kleinen Dorf zwischen Havelberg und Rhinow war die Straße so stark kopfsteingepflastert, daß wir auf einen Fußweg auswichen. Dabei kam es zum Sturz eines Fahrers, der sich am Vorderrad seines Vorgängers »aufhängte«. Zum Glück blieb dieser Sturz fast ohne Folgen, lediglich ein paar Schrammen an Fahrer und Rad waren zu verzeichnen. Zwischen Rhinow und Friesack »krachte« es dann aber richtig, als wieder ein Fahrer das Hinterrad seines Vormannes touchierte, der zu diesem Zeitpunkt gerade aus dem Sattel gegangen war. Die drei Fahrer hinter ihm lagen mit auf der Straße. Die Bilanz dieses Sturzes: ein Fahrer aus Team I mit Gehirnerschütterung und Rad-Totalschaden (neben den Laufrädern mindestens die Carbon-Gabel beschädigt), ein geschrottetes Vorderrad, ein verzogenes Schaltauge sowie eine gebrochene Pedalplatte, viele Schrammen an Körper und Rad, beschädigte Kleidung, Schmerzen an Schulter und Gelenken. Nachdem wir den Support unseres Bulli-Teams sichergestellt hatten, entschieden wir uns, den Widrigkeiten zu trotzen und weiterzufahren; nur unser Mitfahrer aus Team I stieg in den Wagen: das Rad war unbenutzbar und wir waren zu dem Zeitpunkt unsicher über seinen gesundheitlichen Zustand. Wie sich später herausstellte, hat er den Sturz gut überstanden. Für das unbenutzbar gewordene Vorderrad (siehe Foto weiter oben) hatten wir glücklicherweise Ersatz im Bulli.

Getrübte Freude

Zieleinfahrt Zieleinfahrt

Der Rest der Strecke, mit einem idyllischen Teil über Paulinenaue, dann via Berge, Nauen und Falkensee nach Gatow/Spandau wurde ruhig und schweigsam gefahren: die Luft war raus - mental wie konditionell. Zudem setzte trotz zwischenzeitlicher »Sonnenlöcher« immer wieder Regen ein, was Laune und Power nicht besser machte. Nach 10 Stunden 38 Minuten bzw. 10:28 für den verbliebenen Team I-Fahrer waren wir am Wassersportheim angekommen. Im Ranking liegen wir damit auf Platz 28 von 54 (Team I wurde wegen unvollständigen Ankommens mit einer Zeitstrafe von einer Stunde belegt und kam damit auf Platz 32), aber das spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle mehr.

Aber zum Radsport gehört auch Leiden (wie lautete noch der berühmte Spruch von Udo Bölts (?!!)) und so bin ich mir dann doch ziemlich sicher: 2010 wird der FC St. Pauli Radsport wieder auf der Strecke sein und uns aus dem Mittelfeld herausfahren!

Zielfoto am Wassersportheim, von links: Michael, Wolf, Klaus (Team I), Marc, Christian Zielfoto am Wassersportheim, von links: Michael, Wolf, Klaus (Team I), Marc, Christian

Die gefahrene Strecke

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Offizielles Ergebnis, weitere Fotos und Links

Ergebnisliste des Audax-Clubs

Fotos des Audax-Clubs: Seite 1, Seite 2, Seite 3

Weitere Fotos vom FC St. Pauli Radsport in der Galerie

Bericht des Siegerteams RG Uni Hamburg

Bericht von Georg

 
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