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Sonderzug nach Spandau

FC St. Pauli Radsport beim Zeitfahren HH-Berlin

18.10.2009

Unter Zeitfahren verstehen wir eigentlich das Bewältigen einer eher kurzen Strecke; dafür alleine, ohne Windschatten und mit höchstmöglicher Geschwindigkeit. Das »Zeitfahren« Hamburg-Berlin ist aber ein Brevet, d. h. eine Langstrecke mit besonderen Regeln (Hamburg-Altengamme nach Berlin-Spandau, ca. 280 km).

Bei diesem sind sowohl Einzelfahrer zugelassen, die dieses tatsächlich als Zeitfahren angehen, als auch Teams aus maximal 5 Fahrern, die daraus ein Mannschaftszeitfahren machen. Veranstalter ist der Audax-Club Schleswig Holstein mit seinem rührigen Vorsitzenden Burkard Sielaff, der sich auf Langstrecken spezialisiert hat und aus dessen Reihen auch immer wieder am legendären Brevet Paris-Brest-Paris (1.200 km) teilgenommen wird.

Am Start

Eine Veranstaltung wie diese ist für echte »Randonneure«, wie sich die Langstreckenfahrer gerne nennen, eher eine leichte Übung; für uns normale Fahrer/innen aber als »Schnupperkurs« in deren Welt gut geeignet. Zudem lockt das Rennen mit einer sehr interessanten Strecke: zunächst (nach Überfahren der Brücke bei Geesthacht) südseitig der Elbe bis Hitzacker. Dann wird die Elbe bei Dömitz wieder überquert, um weiter auf Kurs Südost Richtung Berlin zu fahren; direkt durchs Havelland.

Die Strecke ist allerdings nur eine Empfehlung. Lediglich ein Kontrollpunkt in Dömitz muss angefahren werden. Ansonsten ist die Streckenwahl freigestellt. Dadurch ergeben sich durchaus abweichende Varianten im Fahrer(innen)feld: einige bevorzugen fast jeden Deich- und asphaltierten Feldweg; andere weichen im letzten Streckenabschnitt auf die schnurgerade B5 aus. Die offiziell ausgeschriebene Strecke stellt einen Kompromiss zwischen diesen Extremen dar. Deshalb darf nicht unterschätzt werden, dass Planung und Auffinden der Strecke einen Teil des Rennens ausmachen.

Vier Paulianer hatten sich für dieses Jahr vorgenommen, sich diesem Abenteuer zum Saisonabschluss zu stellen; dazu kam ein Volksdorfer Fahrer, den wir schon von anderen Radmarathons als Klasse-Mitfahrer schätzen gelernt hatten. Eine Verabredung hatten wir zudem mit einem Paar aus Bremen, die als Team »Radschlag« antraten.

Zur Vorbereitung hatten wir eine lebhafte Diskussion im St. Pauli-Forum, so dass wir wichtige Vereinbarungen wie vor allem die Streckenführung sowie die Zusammensetzung einer Begleitmannschaft mit Fahrzeug für die Versorgung in Dömitz und für Notfälle treffen konnten. Nachdem auch die technischen Voraussetzungen geklärt waren (Beleuchtung wg. der frühen Startzeit, GPS für die Streckenführung auf unbekanntem Terrain), konnte es losgehen.

Am 18.10. 6:30, waren wir im Altengammer Fährhaus, dem Startort angekommen, um dort zunächst das angebotene Früühstück einzunehmen. Die kurze Zeit bis zu unserem Start, der auf 7:04 terminiert war, ließ das Ganze allerdings recht hektisch werden, so dass nur kurz Gelegenheit war, die »Konkurrenz« in Augenschein zu nehmen und den ein oder anderen SmallTalk mit Bekannten aus der Hamburger Radsportszene zu halten. 10 Minuten vor uns starteten dann die beiden Bremer; wir sollten sie so schnell nicht wiedersehen ...

Dann waren wir auch schon an der Reihe: anfangs etwas vorsichtig, um uns an die Dunkelheit zu gewöhnen, entwickelte sich die Angelegenheit schnell zu einem Mannschaftszeitfahren, das einen Sauspaß machte. Der Sonnenaufgang, der alsbald in allerfeinstes Herbstsonnenwetter überging, beflügelte die gute Laune, die sich im ganzen Team verbreitete. Dank des mitgeführten Bordnavis hatten wir zunächst auch keine Orientierungsprobleme. Mit dem einen oder anderen Team, dem wir auf der Strecke begegneten, entwickelten sich kleine Duelle, die auch durch die leichten Varianten bei der Streckenführung des jeweiligen Teams immer wieder spannend waren. Der Versuch unseres Volksdorfers, uns an das Team der RG Uni Hamburg mitanzuhängen, war allerdings zum Scheitern verurteilt. Irgendwo bei Bleckede bekamen wir dann doch endlich die Bremer Unterstützung. Als dann aber kurz vor Hitzacker einige Hügel in Elbnähe zu bewältigen waren, fuhr die Gruppe prompt wieder auseinander. Glücklicherweise gelang uns dann aber wieder die Sammlung, um im geschlossenen Verband in die Zwischenkontrolle und Verpflegungsstelle in Dömitz einzulaufen. Knapp 100 km waren absolviert. Wir wurden erst einmal von unserer Begleitmannschaft mit selbst Gebackenem und heißen Getränken verpflegt, was die gute Laune noch einmal steigerte.

Die Maschine des Siegers: auf 280 km mit 40 km/h unterwegs ...

Auf der Strecke Dömitz-Havelberg (ca. 75 km) fing leider einer unser Paulianer an, mit Atemproblemen zu kämpfen. Wir reduzierten das Tempo und beschlossen, in Havelberg eine ausgiebige Pause zu machen. Mehr oder weniger hatten wir sie alle nötig. Kurz vor unserem Stopp wurden wir von einem bestens gelaunten Burkard Sielaff (seines Zeichens Chef des Audax-Clubs und damit auch dieses Brevets) und seiner Mannschaft überholt. Zum Glück ist Havelberg ein malerischer niedlicher Ort und das Wetter stimmte nach wie vor, so dass Schmerzen und Motivationslöcher bald vergessen waren.

Aber zu früh gefreut: leider mussten wir bald nach unserem Start von dort einige Kilometer später feststellen, dass sich bei unserem Mitfahrer wieder die Atemprobleme einstellten: enttäuscht entschloss er sich, aufzugeben. Jetzt hieß es, die »Begleitmannschaft anzufunken«, was zum Glück zügig gelang; so gab es für ihn zumindest einen problemlosen Lift nach Berlin.

Mit dem verbliebenen Rest ließen wir es dann kurzzeitig noch einmal richtig krachen, um dann aber doch festzustellen, dass uns auch langsam der »Sprit ausging«. In einem gemäßigten Tempo fuhren wir weiter. Allerdings waren wir auch mental nicht mehr voll bei der Sache. Trotz (dank der Bremer Beteiligung) inzwischen drei vorhandener Navis mit jeweils der gleichen einprogrammierten Strecke verpassten wir eine wichtige Abzweigung vor Paulinenaue und mussten so doch eine kleine Teilstrecke auf der B5 fahren. Allerdings ging das gar nicht so schlecht (gefühlt so gar etwas schneller als auf manch anderer kleinerer Straße).

Der letzte Teil des Havelgebietes Richtung Potsdam/Berlin ist leider nicht mehr so schön wie der um Havelberg herum. Unsere Hochstimmung verflog etwas und wandelte sich in eine ruhige Betriebsamkeit.
Endlich, um 17:46 war es geschafft: wir hatten das Wassersportheim in Gatow, einem kleinen Ort direkt bei Berlin-Spandau, erreicht. Wir waren nicht nur glücklich über die Ankunft, sondern auch über die passable Gesamtzeit von 10:42; später sollte wir allerdings noch eine absurde »Zeitstrafe« von 1/2 Stunde wg. der Aufgabe unseres Mitfahrers bekommen.

Im Ranking (33. Platz von 45, siehe http://www.audaxclub-sh.de/node/128) schneiden wir entsprechend mäßig ab. Allerdings wird dort auch schnell klar, dass uns von den Matadoren dieser Disziplin doch Welten trennen:
Der Sieger fuhr die Strecke auf seinem vollverkleideten Liegerad in 6:55, die drei schnellsten Teams mit »normalen« Rädern Hamfelder Hof, RG Uni Hamburg 1 und Vitargo brauchten 7:25, 7:26 und 7:29. Das war wohl offensichtlich ein Rennen Mannschaft gegen Mannschaft ...

Glückliche Finisher

Aber egal: die Hochstimmung, die die meiste Zeit während der Fahrt geherrscht hatte, stellte sich bei uns im Ziel wieder ein; nur unser »Pechvogel« war verständlicherweise nicht gerade in Bestlaune. Für ihn aber ein Grund, in diesem Jahr wiederzukommen ... und wir sind dabei!

Link des Audax-Clubs: http://www.audaxclub-sh.de/HHB2008_aus

Bericht unserer Mitfahrerin Daniela aus Bremen: http://forum.helmuts-fahrrad-seiten.de/viewtopic.php?p=6406

 
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