Fr Jul 28 @17:00
Jugend-Radtraining
 

Tour Transalp 2013: Leid und Freud auf hohem NiveauZieleinfahrt in Arco

23.06. - 29.06.2013

7 Tage Transalp: 19 Pässe, 827,44 km und 18.105 Höhenmeter standen auf dem Programm (es sollte dann etwas weniger werden, dazu später). 6 Mitglieder des FC St. Pauli hatten sich zu dieser Veranstaltung der Zeitschrift Tour angemeldet:Auf dem Stilfser Joch ...Auffahrt zum Mortirolo
Klaus Hake und Wolf Rambatz als Team »FC St. Pauli Radpiraten« (Kategorie »Grand Masters«). Marcus Kaben trat zusammen mit einem Lübecker Fahrer an (Team »Lübecker Rotspon Radler«, Kategorie »Masters«). Susanne Lahrmann bildete mit ihrem Freund das »Koala-Team« (Kategorie Mixed). Julia Rieck fand Platz in einem der 20 Teams des Cuxhavener Radladens »Rad & Tour« (Kategorie Damen). Ein weiter Fahrer mit FC St. Pauli-Trikot, nach eigenem Bekunden wohnhaft in Euskirchen konnte von uns nicht identifiziert werden (bitte im Forum oder per E-Mail melden!).

Die 7 Tage sollten mit vielen Höhen und Tiefen garniert werden:

  • Überwiegend kaltes und z. T. schlechtes Wetter (Regen, Nebel, Schneefall).
  • 1 Toter gleich auf der ersten Etappe.
  • Sehr steile und somit schwer zu bewältigende Pässe mit den Highlights Stilfser Joch und Mortirolo.
  • Aber auch viel Spaß und immer besseres in Form kommen beim Befahren der vielen Pässe.
  • Viele neue Bekannte und z. T. neue Freunde, mit denen Freud und Leid geteilt werden konnten.

Alle Radpiratinnen und -piraten konnten den Tour Transalp ohne Sturz und wesentliche Probleme erfolgreich beenden, Glückwunsch!

Im folgenden ein (nicht reflektierter) Bericht von Wolf, Team »FC St. Pauli Radpiraten«:

21.06.2013 - Anreise nach Sonthofen

Uuups: heute ist es soweit! Nach den letzten Trainingseinheiten im Harz und den Radmarathon in Volksdorf fühle ich mich gut vorbereitet (habe etwas über 3.000 Trainingskilometer »in den Beinen«), bin aber aufgeregt. 2010 waren mein Teampartner Klaus und ich schon einmal dabei: damals waren Wetter und Stimmung exorbitant. Wie wird es diesmal werden?
Nach dem Einsammeln von Klaus geht es auf die Autobahn. Wir kommen anfangs schleppend, später dann besser voran, immer schön auf der A7. Am frühen Abend kommen wir bei unserer »Pension Johanna« in Sonthofen an. Dort werden wir gleich in Empfang genommen von einem uns bis jetzt noch unbekannten Mixed-Team: Ulla (Rheinland?) und Dittmar (Aumühle bei Hamburg). Sie haben noch mehr vor als den Tour Transalp: anschließende Radtour mit Gepäck und abschließende Teilnahme am Engadin Radmarathon (Zernez, einer der Etappenorte des Tour Transalp).Ulla und Dittmar
Essen in einem Dorfgasthof um die Ecke: zünftiges Essen, leider auch zünftige bayerische (live) Volksmusik, zu der eine Festgesellschaft tanzt.

22.06.2013 - Akkreditierung, Ausfahrt

Bei der Akkreditierung treffen wir gleich alte Bekannte: André aus Kiel mit seinem Teampartner sowie das Mixed-Team Levke und Andreas (Malente).
Für die nun folgende Transalp-Woche erhalten wir:

  • Die obligatorische Transalp-Reisetasche mit Startnummer.
  • Startnummern für Lenker, Trikot und Helm.
  • Bons für die jeweiligen Abendessen, Café vom Sigma-Espressomobil im Zielbereich, Rücktransfer von Arco nach Sonthofen.
  • Die übliche Werbung, verbunden mit einigen Goodies wie z. B. Radflaschen, sowie einem Schlauch-Reifenheber-Set von Schwalbe.

Transalp-ReisetaschenDas Wetter an diesem Tag ist recht warm, aber unbeständig. Wir beschließen trotzdem, uns auf eine kleine Ausfahrt zu begeben. Wir wollen auf den Riedbergpass fahren, der ursprünglich auch vom Transalp angefahren werden sollte, wg. einer Baustelle aber gestrichen wurde.
Auf einer sehr befahrenen Straße mit einer kleinen Steigung gelangen wir sehr schnell nach dem südlich von Sonthofen gelegenen Fischen und schwenken von dort auf den Riedbergpass ein. Der kommt schnell zur Sache: nach einigen km sind wir bereits bei 16%! Nachdem diese gefühlt gar nicht enden wollen, fahren wir wieder herunter. Es fängt zu regnen an. Pech zieht Pech an: beide kämpfen wir mit technischen Problemen. Bei mir schleift der Umwerfer, bei Klaus ist das Tretlager locker. Schnell zurück nach Sonthofen zum Rose-Servicestand, der glücklicherweise bereits im Start-/Zielbereich aufgebaut ist. Die Jungs dort arbeiten Akkord, machen trotzdem tolle Arbeit, so dass unsere Probleme schnell behoben sind. Klaus bekommt ein neues Tretlager.
Abendveranstaltung in der Eishalle: Essen fassen an einem der vier Stände. Es gibt (leicht verkochte) Pasta mit Bolognese, mit Bärlauch, mit ...
Nett aber: unsere Community kommt zusammen. »Turbo32« Marcus, Susanne mit ihrem Partner Jan, Ulla und Dittmar, kurze Zeit später auch der Randonneur »Janibal«, der wie in 2010 mit seinem Bruder Ralf ein Team bildet.
Die Veranstaltung beginnt eine Stunde nach dem Beginn des Abendessens. der unglaublich schlechten Akustik zum Trotz parlieren die beiden Moderatoren zunächst mit den örtlichen Organisatoren, einem Athleten und einer Frau vom Tour-Verlag Delius Klasing.Susanne und Jan
Dann bemüht sich Streckenchef Marc Schneyder, uns für die morgige Strecke zu briefen. Wir entschließen uns, die Halle zu verlassen. Klaus geht ins Bett, mit Ulla und Dittmar sitze ich noch einem einem Straßencafé und erfahre einiges über Dittmars Heldentaten beim German Cycling Cup. Er ist etwa gleich alt wie ich, scheint aber in der ersten Liga der norddeutschen Radszene zu fahren.

23.06.2013 - 1. Etappe: Sonthofen-St. Anton am Arlberg

Wir sind eingeteilt für Block D, den letzten. Dort treffen wir auch Ulla und Dittmar sowie Susanne und Jan. Für mich interessant: zwei Pasculli-Fahrer aus Erlangen in unserem Block. Schickes Retro-Outfit: weite Hosen, petrolfarbene Schnürschuhe.
Startschuss, los geht's. Flach nach Immenstadt. Hinter Oberstaufen Übertritt der Grenze nach Österreich und langsamer Anstieg auf den Hochtannbergpass. Regen, Nebel kommt hinzu. Janibal überholt uns. Er ist eigentlich ein »B-Fahrer«, außerdem ein starker Randonneur mit mehrer Paris-Brest-Paris-Teilnahmen. Aber hier ist er, genau wie in 2010 mit seinem wieder einmal untrainierten Bruder Ralf unterwegs. Wenn er sich dort langweilt, kommt er nach vorn und unterhält sich mit anderen, z. B. mit uns. Macht ein paar Fotos.
Auf der Passhöhe stoppen wir, um die schönen, organgefarbenen Regenjacken anzuziehen. Schnell sind auch Turbo32 sowie Ulla und Jan bei uns.
Es geht in die erste Abfahrt. Nass, also vorsichtig zu fahren, außerdem nebelbedingt schlechte Sicht. Erster Tunnel, das extra mitgebrachte Licht wird getestet (Fazit: Rücklicht bringt's, Vorderlicht hätte zuhause bleiben können). Nach einer Baustelle Auffahrt auf den Flexenpass, dort eine Galerie und schwupps: der erste Sturz. Später erfahren wir, dass der betroffene Fahrer in einer Kurve einen Schreck bekam, als ein Bus entgegen fuhr. Er verbremste sich, ging über den Lenker und kollidierte mit dem Bus. Zum Glück »nur« Knochenbrüche.
Passauffahrt im Regen - Foto: JanibalKleine Abfahrt und Auffahrt auf den Arlbergpass. Nach einem Tunnel in der Abfahrt Straßensperrung wegen eines weiteren Sturzes. Schnurgerade Abfahrt nach St. Anton. Der Fahrspaß wird aber leider durch sehr dichten Verkehr ausgebremst.
Einige Sekunden nach Klaus im Ziel (der hatte sich im letzten Anstieg etwas davongemacht). Janibal grinst uns an und fragt, ob wir Defekt gehabt hätten (»langsame Opis« hat er dabei wohl gedacht). Schnell finden sich auch Turbo32 sowie Ulla und Dittmar ein. Ein Blick auf die Ergebnislisten: wir belegen mit der Zeit von 4:50 h (für 125 km) den Platz 62 von 139 in unserer Altersklasse »Grand Masters« (Summe des Alters der Fahrer größer oder gleich 100) und 367 in der Gesamtwertung (die genaue Anzahl der gewerteten Teams ist nicht dokumentiert). Das Ergebnis ernüchtert, es wird klar, dass in unserer Altersklasse jede Menge »harte Hunde« am Start sind. Später sollen wir einen treffen: Uwe Altmann fuhr mit seinem Partner eine Zeit von 4:08 h (Platz 6 bei den Grand Masters). Turbo32 kam mit 4:53 h, Ulla und Dittmar mit 5:00 h, Susanne und Jan erst später mit 6:27 h ins Ziel.

Wir nehmen etwas Zielverpflegung auf (z. B. Brühwürfel mit heißem Wasser). Wir beobachten, wie ein total beschädigtes Rad in einen der Miet-LKWs eingeladen wird: Sattelstütze gebrochen, Schaltwerk abgerissen, Gabel verzogen ... Einen Fahrer zu diesem Rad sehen wird nicht (im Krankenhaus? Später erfahren wir mehr ...). Eine sehr nette alte Dame erklärt uns den Weg zu unserem Hotel/Garni Dorfblick in Seilbahnnähe. Dort angekommen, scheinen wir die letzten zu sein: überall Räder. Vorbildlich: unsere Reisetaschen sind schon da (an den Folgetagen klappte das auch, bis auf den letzten). Der sehr sportaffine Wirt klärt uns auf, dass die für den morgigen Tag geplante Bielerhöhe im Silvretta noch nicht befahrbar ist (angedeutet wurde dies schon durch den Streckenchef Marc Schneyder in Sonthofen). Die Strecke soll statt dessen über das Hahntennjoch laufen.
Schnell noch Räder putzen (eine neue Erfahrung: 2010 war dies dank des guten Wetters völlig unnötig).

Abendveranstaltung: wieder schlechtes Essen, diesmal aber nur eine einzige, ewig lange Schlange zur Ausgabe (diesmal auch nur »Bolognese«). Eine Stunde später Paukenschlag: Marc Schneyder klärt uns auf, dass es einen Todesfall gegeben hat. Ein Fahrer sei auf der letzten Geraden nach St. Anton ins Schlingern geraten und über die Leitplanke gestürzt. Dies sei ohne die Beteiligung anderer bzw. KFZs geschehen, auch habe niemand den Unfall direkt beobachten können. Der Name des Toten wird nicht genannt (wie wir später erfahren, handelt es sich um den 47 Jahre alt gewordenen Frank). Schweigeminute. Keine Siegerehrung. Der Transalp soll aber weitergehen. Wegen zu erwartendem Schlechtwetter bzw. Schneefall soll aber nur flach und neutralisiert durch das Inntal direkt zum nächsten Etappenort Imst gefahren werden.

24.06.2013 - Überführungsetappe: St. Anton am Arlberg-Imst

Schön geordnet geht es los, anfangs leicht abschüssig in das Inntal. Teilweise strömender Regen (wir sind aber auch nach der Vorwarnung von Marc Schneyder total »eingemummelt«). Vor Imst eine kleine Anhöhe: Hektik bricht aus im Feld. Fahrer drängen in Cyclassics-Manier rechts und links auf kleinstem Raum nach vorn ... als ob es doch etwas zu gewinnen gäbe.

Im Ziel eine gelungene Überraschung: die Radpiraten vom Dreiländergiro sind da! Sie feuern uns an und sind trotz Überführungsetappe von Organisation und Atmosphäre sehr angetan. In Nauders hatten sie Top-Ergebnisse erzielt (der erste kam nach 6:06 h ins Ziel).

Im Start-/Zielbereich beobachten wir neidisch, wie die Fahrer/innen von Scott-Rädern am Stand des Herstellers Full Service bekommen. Alles wird geputzt und neu eingestellt. Am Stand von SRAM werden die Fahrer/innen, die diese Komponenten haben, ähnlich verwöhnt.
Wir nehmen einen Capuccino an dem Espressomobil der Firma Sigma: lecker. Danke, Sigma, für diese Spezialverpflegung, die wir auch an den Folgetagen genießen können: wenn Eure Produkte mal annähernd so gut wären wie Euer Espresso ;-)
Klaus' bessere Hälfte Andrea hat uns einen Tourkalender gebastelt, der wir jeden Tag den Eintrag des Mondkalenders, eine zum Tag passende Weisheit und kleine Leckerlie entnehmen. Danke Andrea, Du hast uns prächtig aufgebaut. Zum Sigma-Capuccino also Andreas Leckereien.

Wir fahren zu unserem Hotel Lamm im Nachbarort Tarrenz. Beim Radputzen in der Werkstatt des Hotels treffen wir Heiner (Betreiber das Radladens Cyclefix in Uhlenhorst und Mitglied im SC Hammaburg). Heiner fährt in einer anderen Liga: gestern hat er uns über 20 Minuten »abgenommen«.
Klaus und ich bleiben abends im Hotel, um einmal gut zu essen und der hektischen Atmosphäre der Abendveranstaltung ferzubleiben. Später erfahren wir, die Abendveranstaltung sei diesmal ganz vernünftig gewesen.

25.06.2013 - 3. Etappe: Imst-ZernezDurch die Dörfer des Engadins ...

Start diesmal aus dem Block C heraus (den wir dann für die restlichen Tage »gepachtet« hatten). Gleich nach Imst rauf auf die Pillerhöhe. Gleichmäßig, gut zu fahren und schwupps: Klaus entfleucht mir. Auf der Pillerhöhe Verpflegung, Jacke anziehen und Abfahrt. Sehr regnerisch und Überraschung: die Leute fahren herunter wie auf rohen Eiern. Ich traue mir scheinbar mehr zu und muss so ständig überholen.
Nach der Abfahrt ein eher flaches Profil bis zur Schweizer Grenze. Ich bin anfangs allein, dann schließt eine sehr starke Gruppe auf. Ich kann folgen, muss aber dazu ordentlich »beißen«. Eigentlich zu schnell.
In der Schweiz wird es kräftig hügelig. Die Gruppe zerfällt. Statt dessen kommt Turbo32 in bester Laune herangefahren. Heute ist er stärker als ich, nach kurzer Zeit kann ich ihm nicht mehr folgen. An der nächsten Verpflegung sehe ich noch einmal Klaus, der gerade wieder losfährt (im »Rennmodus«).
Kurze Zeit später fährt Janibal auf ... und wartet auf mich/zieht mich. Danke!!! Natürlich gleich eine ganze Schlange mit dran. Einfahrt nach Zernez.
Zielzeit 4:29 und damit heute auf Platz 52/Grand Masters und in der Gesamtwertung 57/GrandMasters und 358 gesamt. Turbo32 ist etwa zeitgleich da, Ulla und Dittmar 5 Minuten später, Susanne und Jan fahren gemütlich in 6:25 h.Turbo32 und Janibal auf der Abendveranstaltung
Heute haben wir kein Hotel buchen können und sind in der Zivilschutzanlage untergebracht: ein Luftschutzbunker mit beeindruckenden Stahlschleusen. Abendveranstaltung im Zelt: wieder Riesenschlange für die übliche Nudelsauce. Siegerehrung: ex-Profis auf dem Podest (müssen die gewertet werden?).
Gutes Wetter, geeignet für einen Abendspaziergang. Zernez ist ein sehr kleiner Ort auf 1.500 m Höhe gelegen. Viele Häuser sind noch alte Häuser im Engadin-Stil und entschädigen für die wieder schlechte Abendveranstaltung. Immerhin erfahren wir, dass die morgige Auffahrt auf das Stilfser Joch noch nicht gesichert ist: Kälte und Schneefall machen Tourchef Marc Schneyder unsicher.
Der Schlaf im Massenlager der Zivilschutzanlage will zum Glück gelingen.

26.06.2013 - 4. Etappe (Königsetappe): Zernez-Livigno

Es geht nach Maßgabe von Marc Schneyder neutralisiert über den Ofenpass ins Müstair-Tal, das an das Vinschgau in Südtirol grenzt. Wir erfahren, dass das Stilfser Joch gefahren wird, juchu!!! Von der Neutralisierung merke ich in meiner Umgebung aber nicht viel, Massen ziehen an mir vorbei, auch Turbo32 (Klaus ist schon vom Start an weg). Ich bleibe aber dabei, diesen Pass langsam zu fahren, um die »Körner« für das Tageshighlight Stilfser Joch zu sparen.
Auf der Abfahrt vom Ofenpass gerate ich in eine große Gruppe. Das mag ich gar nicht: bei 60 - 70 km/h möchte ich Raum auf der Straße haben. Leider ist dem nicht so. Ich muss diszipliniert hinterher fahren. Ab und zu gelingt es mir, die eine oder den anderen zu überholen.
Schnell sind wir in Südtirol. Noch sehr gutes Wetter. Wegen der zu erwartenden Kälte habe ich aber heute einen  kleinen Rucksack auf: Winterjacke, Winterweste, lange Handschuhe und Überschuhe sind drin. Sollte nichts schief gehen.
Auffahrt auf das Stilfser JochNach der Verpflegung in Trafoi hinein in die 47 Kehren: ich komme in meinen Rhythmus und - siehe da - begegne auf der Franzenshöhe Klaus, der gerade eine Pinkelpause macht. Danach gibt er aber wieder Gas.
Oben ziehe ich alles an, was der Rucksack hergibt und ab geht's in die Abfahrt. Die ist endlos lang (ca. 20 km). Der Nacken tut mir weh. Kann den Unterlenker nicht mehr halten Fahre im Oberlenker (geht erstaunlich gut).
Kurze Flachpassage, dann Aufstieg auf den Passo Foscagno. Es wird richtig warm, des Pass steigt nur leicht (4% bis 6%), ist aber ca. 15 km lang (und langatmig). Das Mixed-Team »Berlin Uphill« hängt sich direkt in meinen Winschatten. Ich merke das nicht sofort und mache Späßchen wie Armlinge ausziehen u. a., was hinten nicht so gut ankommt. Kleine Abfahrt, Berlin Uphill ist downhill doch etwas besser als ich und überholt, uphill zum Passo d'Eira kann ich allerdings sofort wieder aufschließen. Ich gebe noch einmal Gas und habe die folgende Abfahrt nach Livigno jetzt für mich allein.
Abfahrt vom Stilfser JochKlaus wartet im Zielbereich bereits, nach 7:22 h haben wir die knapp 140 km bewältigt. heute Platz 57/Grand Masters und Platz 54/337 in der Gesamtwertung. Später erfahren wir, dass Turbo32 einen Einbruch hatte (8:48 h). Ulla und Dittmar brauchten 7:45 h (Respekt!), Susanne und Jan waren diese Etappe nicht gefahren, sondern hatten sich eine Alternativstrecke durch den Engadin ausgesucht.
Livigno ist ein schreckliches Skikaff auf 1.800 m gelegen. Umso besser (und besser organisiert) aber die Abendverpflegung, die aus einem richtigen Menü besteht und zügig an mehreren Ständen ausgegeben wird. Zum ersten Mal Rotwein zu kaufen (nach dem Überfahren des Stilfser Joch für mich ein Muss!).

27.06.2013 - 5. Etappe: Livigno-Aprica

Für heute ist der legendäre und supersteile Pass Mortirolo angekündigt. Ich ziehe mich in mich zurück, will mich nicht von irgendwelcher Rennhektik anstecken lassen.Abfahrt vpm Mortirolo
Es geht zunächst zurück über die Passe Eira und Foscagno. An letzterem überhole ich Klaus. Was ist los? Schwächelt der heute?
Nach der Abfahrt vom Foscagno kommt eine lange Flachpassage. Es bilden sich schnelle Gruppe. Ich bleibe meiner Linie treu und folge nicht. Janibal zieht vorbei und lacht ob meines Tempos. Italienische Fahrer kommen mir entgegen, drehen um und bieten mir an, mich zum Mortirolo zu ziehen. Gerne nehme ich das Angebot an. Letzlich brauchen sie nur einige km zu einer nächsten Gruppe zu ziehen. Mit der Gruppe geht es zur Verpflegung direkt vor dem Mortirolo. Kurz vorher schließt Klaus mit einer kleinen Gruppe auf, nachdem es seine Satteltasche zerlegt hat. An der Verpflegung wird es richtig warm: alles ausziehen was geht und in die Rückentaschen quetschen.
Der Mortirolo ist eigentlich kein richtiger Pass, sondern eher eine ganz schmale Bergstraße. Gleich in den ersten Kilometern klettert die Anzeige auf dem Garmin: 13%, 14%, 16%, 18%, ... Ich mag nicht mehr gucken. Muss mein Rad festhalten und versuchen, gleichmäßig weiterzutreten. Überhole einige und werde auch überholt. Egal: weitertreten! 8 km/h, 7 km/h, 6 km/h ... Kann man ein Rennrad überhaupt so langsam fahren?Abfahrt vom Mortirolo
5 km sind geschafft. es wird flacher. Ich freue mich richtig, wenn es »nur« 12% sind, die Beine drehen wieder am Pedal!!!
Oben angekommen, Überraschung: Turbo32 ist schon da! Glückwunsch, er ist heute unser Bergmeister! Klaus aber noch nicht zu sehen (tatsächlich schlechter Tag?).
In der Abfahrt überhole ich Turbo wieder und habe noch einmal die Ehre, kurzzeitig mit Janibal zu fahren. Die Abfahrt ist allerdings schwierig: kaputte Straße, Schlaglöcher, Längsrillen, traue mir kein hohes Tempo zu. An der Straßenseite die unvermeidlichen Stürze. Fahre dann einem anderen Hamburger direkt hinterher (Team »Hamburger Stahlwaden«). Nach Stahlwade sieht er zwar nicht aus, kann aber besser abfahren als ich, vielen Dank fürs Vorfahren!
Nach der Abfahrt noch ein kleiner, seichter Pass nach Aprica. Der Tank ist aber leer, muss es langsam angehen.
In Aprica angekommen, bin ich heute doch der erste Radpirat, Turbo und Klaus kommen etwas später. Zielzeit unseres Teams: 5:42 h, damit Platz 64 heute und 57/343 gesamt. Turbo32 mit 5:38 h vor uns, Ulla und Dittmar nach 5:57 h, Susanne und Jan nach 7:49 im Ziel.
Aprica ist wieder so ein fürchterlicher Skiort mit lauter Hotelkastenanlagen. In unserem Hotel ein Schreck: wir haben unsere Personalausweise im Hotel in Livigno gelassen. Zu Glück lassen sich Kopien vie Fax und E-Mail beschaffen.
Die Abendveranstaltung wieder OK (Italiener können das offensichtlich besser).

28.06.201Auffahrt zum Brezer Joch3 - 6. Etappe: Aprica-Kaltern

Es geht nach einer kurzen Abfahrt von Aprica auf den Tonnale-Pass: 30 km bergauf. Steigungen eher gemäßigt, dafür aber viel Verkehr. Oben Verpflegung bei Regen und Kälte, dann die Abfahrt. Heute ohne viel Klamotten, daher kalt. Der Lenker flattert durch das Zittern meines Körpers. Trotzdem funktioniert's ganz gut. Am Anstieg zum nächsten Pass, der Brezer Höhe (schon wieder in der zweisprachigen Provinz Südtirol) begegne ich wieder Klaus, der heute den »Rennmodus« verlässt, so dass wir zusammen fahren können. Kurz nach der Brezer Höhe stößt Radpirat Frankie zu uns, der in Lana bei Meran Urlaub macht. Frankie gibt uns ordentlich Support, so dass wir über den folgenden flachen Mendelpass ordentlich Pace machen können. In der Abfahrt schaltet Klaus zwar wieder in den »Rennmodus«, Frankie und ich können ihn aber einholen.
Janibal auf der letzten Etappe im Sonntagsanzug. Foto: JanibalTagesergebnis: mit 5:42 h kommen wir auf Platz 44/Grand Masters (gesamt 52/318). Turbo32 benötigt 6:17 h, Ulla und Dittmar 6:25 h, Susanne und Jan 8:33 h.
Es ist ordentlich warm: bei der (wieder gelungenen) Abendveranstaltung trinken wir gekühlten Weiswein.

29.06.2013 - 7. Etappe: Kaltern-Arco

Heute erst einmal ca. 35 km flach. Entsprechend Druck macht das Feld. Dranbleiben! Klaus hat eine Panne. Was ist los? Keine Ahnung. Weiter ... immer schön im Windschatten braten. Dann Auffahrt auf den ersten Pass bei Fai della Paganella: flach, aber 900 Hm. Geht ganz gut, viel ist hier gegen das starke Feld aber nicht zu holen. Lange flache Abfahrt, dann auf den Passo del Ballino. Gardasee in Sicht. Tolle kurvenreiche Abfahrt. Kann vielfach überholen und fahre in einen kleinen Rausch. Uuups, schon die Zeitnahme ...
Hier warte ich und plaudere mit anderen Fahrern, die ebenfalls hier warten. Klaus kommt nach ca. 10 Minuten. Er hatte eine lose Vorderradnabe und musste warten, bis er auf einen Servicewagen traf. Diese haben ihm dann die Nabe wieder festgezogen. Und dann nur 10 Minuten zurück? Klaus ist wieder ganz der Alte (bei uns heißt er »der Terminator«).
Zielzeit unseres Teams: 3:35 h, wir belegen heute Platz Platz 66/Grand Masters und in der Gesamtwertung 54/Grand Masters und 324 gesamt. Gar nicht so schlecht.

Wir fahren gemeinsam auf dem letzten neutralisierten Abschnitt ins Ziel. Strahlendes Wetter, Weißbier, Medaillien, Finisher-Trikots, überall glückliche Gesichter. ZielkussTolle Stimmung. Und noch einer obendrauf: am Rand steht der Pulheimer Radpirat Thomas Wand und begrüßt uns. Er will morgen den Dolomiten-Marathon fahren, viel Glück!

Wir müssen die Räder für den Transport nach Sonthofen bereits heute abgeben. Pedale abmontieren, Startnummer befestigen, und tschüss, Pasculli. Unser Appartement liegt 3 km außerhalb. Wir nehmen ein Taxi. Wir bekommen eine tolle geräumige Unterkunft inmitten von Obstplantagen, herrlich! Leider sind heute erstmalig unsere Reisetaschen noch nicht da. Ein Anruf klärt aber die Situation. Kurze Zeit später kommt ein Wagen des Veranstalters mit unsere Taschen.
Große Open Air-Abendveranstaltung mit wieder guter Verpflegung und guter Stimmung. Bei der Siegerehrung natürlich keine Überraschungen (zieht sich auch extrem in die Länge). Die Community sammelt sich: Ulla, Dittmar, Susanne, Jan, Janibal, Ralf, Turbo32, Matthias von der RG Uni Hamburg kommt dazu. Viel Rotwein, viele Heldenerzählungen.
Das war's. Schwer war's. Toll war's ... unvergessliche Erlebnisse. Nächstes Jahr wieder?

30.06.2013 - Rücktransfer Arco-Sonthofen

Die Schlechtwetterzeit scheint erst einmal vorbei. Tollstes Sonnenwetter. Und wir hatten letzte Woche Regen, Nebel, Schnee und viel Kälte?! Auch eine Erfahrung ... nicht die schlechteste.
Der Bus rollt langsam und macht zudem eine Pause. Nach 5:50 h sind wir wieder in Sonthofen und können unsere Räder wieder in Empfang nehmen. Schnell mit dem Wagen zurück nach Hamburg.

Fazit

Für mich ist der Tour Transalp (laut Werbetrailer: »Schwalbe, S c h w a l b e Tour Transalp powered by Sigma«) eine sehr gelungene Veranstaltung. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden tolle Strecken geboten, die durch Streckenposten zur Anzeige von Kurven und Gefahren, Motorrad-Marshalls, medizinisches Personal auf Motorrädern und KFZ und Materialwagen von Rose und Schwalbe begleitet und so perfekt abgesichert werden.
Sportlich wird einem sehr viel (auf eigentlich kurzer Strecke) geboten, so dass auch ganz verschiedene Leistungsklassen von Hobbyfahrerinnen und -fahrern auf ihre Kosten kommen.
Dass wir Hobbyfahrer/innen allerdings gegen Ex-Profis wie Jörg Ludewig antreten müssen bzw. dass letztere in die Gesamtwertung aufgenommen werden, ist unnötig und unangebracht.
Auch die Organisation außerhalb der Etappen ist vorbildlich, z. B. der Taschenservice. Lediglich die Abendveranstaltungen hinken hinterher: z. T. schlechte und nicht ausreichende Verpflegung, z. T. schlecht organisiert, z. T. schlechte Tonanlagen (PAs), langweilige Siegerehrungen, die zu wenig den Hobbycharakter betonen. Wie wär's denn, wenn auch einmal das letzte Team auf die Bühne gebeten wird? Ein zarter Ansatz in dieser Richtung war die Wertung des fairsten Teams, die aber leider erst am letzten Tag passierte.
Last Not least: es wurde immer wieder aufgefordert, sich an bestimmte Regeln zu halten, wie z. B. auf der Strecke abseits der Verpflegung keinen Müll zu hinterlassen oder keine Teamfahrzeuge im Feld mitfahren zu lassen. Andernfalls gäbe es Zeitstrafen. Die Lamentos gab zwar fast es jeden Tag, umgesetzt wurden die Drohungen nie. Hier, liebe Tour-Veranstalter/innen ist Konsequenz angesagt und zwar von Anfang an!

 
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