Keine Termine
 

Das Highlight zum Saisonende

Zeitfahren HH-Berlin 2012, 13.10.2012

Besser konnte es kaum kommen: inmitten der verregneten Tage, die uns in diesem Oktober begegnen, tat sich am Samstag, den 13.10.2012 ein Sonnenloch auf:
Als ob Burkhard Sielaff, Cheforganisator des Zeitfahrens Hamburg-Berlin es bestellt hätte. Auch die Rekordzahl von ca. 270 angemeldeten Fahrerinnen und Fahrern (die den veranstaltenden Audax-Club Schleswig Holstein fast überforderte) trug dazu bei, dass das diesjährige Zeitfahren zum krönenden Abschluss der Saison wurde.Gute Laune trotz langer Strecke ...

6 Mitglieder des FC St. Pauli stellten sich auch in diesem Jahr der Herausforderung, eine Strecke von insgesamt 278 km i. W. in Elb- und Havelnähe zurückzulegen; neben »3 alten Hasen« waren darunter auch »2 Neulinge«. Für alle von ihnen wurde der Tag zum Erfolg: das Ziel, das direkt an der Havel gelegene Wassersportheim in Gatow erreichten alle ohne nennenswerte Probleme!

278 km-»Zeitfahren« von Hamburg nach Berlin

Das »Zeitfahren« Hamburg-Berlin ist inzwischen eine Traditionsveranstaltung, die jeweils Mitte Oktober stattfindet - für viele zum Ausklang der Saison. Seit 2001 veranstaltet der Audax-Club Schleswig Holstein mit seinem rührigen Vorsitzenden Burkard Sielaff dieses Langstreckenrennen, auch »Brevet« genannt. Die Zugvögel, die in dieser Zeit wegen des nahenden Wintereinbruchs gen Süden schwärmen, hat sich der Audax-Club dabei zum Vorbild genommen (siehe http://www.audaxclub-sh.de/node/45).

Bei dem »Zeitfahren« sind sowohl Einzelfahrer als auch Teams aus maximal 5 Fahrern zugelassen. Gestartet wird wie bei einem professionellen Zeitfahren in Minutenabständen, beginnend um 6:30 h. Der Streckenverlauf zwischen dem Start am Altengammer Fährhaus (am östlichen Rand Hamburgs direkt an der Elbe gelegen) und dem Ziel am Wassersportheim Gatow (Nähe Berlin-Spandau, direkt an der Havel gelegen) ist nicht markiert und auch nicht vorgeschrieben. Allerdings gibt es eine Einschränkung: in Geesthacht ist die Elbbrücke nach Süden zu überqueren und bis zur Elbbrücke in Dömitz südseitig der Elbe zu fahren. In Dömitz (auf der Nordseite der Elbe) befindet sich der einzige Kontrollpunkt der Veranstalter (nach knapp 95 km gefahrener Strecke). Am Kontrollpunkt sind auch unterstützende Fahrzeuge zugelassen; auf der Strecke sind diese ansonsten vom Veranstalter nicht zugelassen bzw. werden als Regelverstoß angesehen.

Dadurch ergeben sich Möglichkeiten der Streckenoptimierung je nach Gusto: die Varianten verlaufen zwischen schnell unter Benutzung vieler Bundesstraßen und gemütlich und auf schöner Strecke unter Benutzung auch von Rad- und Feldwegen. Die meisten Teilnehmer/innen versuchen dabei, die Hauptverbindung HH-Berlin, die Bundesstraße 5 zu umgehen. Vom Altengammer Fährhaus über die Brücke in Geesthacht wird i. W. auf der Elbuferstraße bis Hitzacker gefahren; kurz vor dem Erreichen dieses hübschen Örtchens sind einige giftige Hügel (u. a. der Kniepenberg) zu überwinden. Hinter Hitzacker muss wieder die Elbe auf der Brücke Richtung Dömitz überquert werden. Die weitere Strecke verläuft i. d. R.  über das malerische Havelberg durch viele kleine Orte im Umfeld der Havel, um schließlich über Nauen und Falkensee nach Berlin-Spandau zu gelangen. Im direkten Nachbarort von Spandau, befindet sich das Ziel, das Wassersportheim Gatow.

Die Siegermannschaften machen aus der Veranstaltung jedes Jahr ein Mannschaftszeitfahren mit 35 - 40 km/h, das dann doch zu einem größeren Teil auf der Bundesstraße 5 verläuft. Noch schneller sind die am Rennen beteiligten mit vollverkleideten Maschinen ausgerüsteten Liegeradler (ca. 10 Beteiligte), die in diesem Jahr erstmallig ein eigenes Rennen ausfuhren. Von ihnen dominierte auch in diesem Jahr wieder der HH-Berlin-Seriensieger Christian Ascheberg, der allen anderen mit einem Durchschnitt von 42,9 km/h davonfuhr und einer Zeit von 6:29 h gewann.


Die vom Team »FC St. Pauli: Jan, Hein und Claas« gewählte Strecke

Los gehts's

270 angemeldete Fahrerinnen und Fahrer hatten sich am Samstag in aller Herrgottsfrühe nach Altengamme begeben. Da zu dieser Zeit kaum oder nur schlechte Verbindungen mit dem Hamburger Verkehrsverbund existieren, fand die Anreise entweder mit dem PKW oder im Falle hartgesottener Brevet-Fahrer/innen mit dem Rad statt. Unser Team »FC St. Pauli: Jan, Hein und Claas«, bestehend aus Frank, Klaus und mir wählte lieber den PKW. Noch am Vortag hatte es aus Kübeln geregnet - wie von Zauberhand war dieser verschwunden: der Himmel war klar und bestes Wetter deutet sich an.

Am Start ...Die Anreise nach Navi führte uns über die später wieder mit dem Rad zu überquerende Geesthachter Elbbrücke. Direkt nach dem Überqueren dieser kamen uns schon die ersten - sehr früh gestarteten - Einzelfahrer/innen und Teams entgegen; in der Regel mit guten Scheinwerfern ausgerüstet. Unter ihnen müssen auch das zweite FC St. Pauli-Team »Solo für Pauli« (Marc wollte ursorünglich tatsächlich Solo fahren, dann gesellten sich aber Yves und Jan zu ihm) und das Duo ETA 21 h mit Adriane und Micha gewesen sein.

Am Altengammer Fährhaus ging es diesmal wg. der Rekordteilnehmerzahl recht eng zu; zum Glück fand sich doch schnell noch ein Parkplatz. Nach dem ausladen der Räder, anmelden in einem dafür extra aufgebauten Zelt und anbringen der Startnummern am Rad bestand noch Gelegenheit, im Altengammer Fährhaus an einem üppigen Frühstücksbuffet teilzuhaben. Ich ließ mir diese Gelegenheit nicht entgehen, andere konzentrierten sich lieber voll auf den Rennstart. Im und um das Fährhaus herum viele bekannte Gesichter: nicht nur aus der Brevet-Szene, sondern diesmal auch viele »normale« Hobbyfahrer/innen. Nette Begrüßung durch Andrea und Burkhard vom Audax-Club, ein paar Fotos unserer Chauffeurin Andrea und schon war es 7:13 h: Zeit für den Start.

Etappenfahrt

Klaus und ich fuhren in diesem Jahr zum fünften bzw. sechsten Mal mit. Ein größerer Teil der Strecke ist deshalb schon in »Fleisch und Blut« übergegangen; trotzdem läuft ein Navi immer mit. Unsere Strecke war ein Kompromiss. Wir folgten i. W. der landschaftlich schönen Variante, fuhren aber nicht auf Rad- oder Feldwegen. Innerlich stellten wir uns auf drei lange Etappen von jeweils etwas über 90 km ein: sehr lang im Vergleich zu »normalen« Ausfahrten wie RTFs und Radmarathons. Bereits beim Erreichen der Elbuferstraße in Geesthacht begann ein herrlicher Sonnenaufgang. So motiviert, fuhren wir trotz Süd- und Südost- (d. h. i. W. Gegen-) Windes die Strecke auf dieser winkligen, aber malerischen Straße bis Dömitz im Stil eines Mannschaftszeitfahrens. Nach ca. 2:50 h waren wir in Dömitz am Kontrollpunkt angelangt (und hatten damit einen etwas waghalsigen Durschnitt von knapp 33 km/h vorgelegt).

So war es kein Wunder, dass wir hier schon auf die anderen beiden Teams trafen, die die Strecke vernünftiger angingen. Gut verpflegt durch Andrea ging es auf die nächste Etappe über Lenzen und Wittenberge nach Havelberg. Wir fuhren - nach wie vor etwas übermutig - unser Tempo weiter.  Direkt nach Wittenberge begegneten wir einem Fahrer mit HFS-Trikot (HFS: Helmuts Fahrrad Seiten), der sich einsam gegen den Wind kämpfte: tapfer, der Mann verdient vollen Respekt! Kurz vor Havelberg wurden die Beine aber richtig schwer. Das Tempo forderte dann auch seinen Tribut: eine Pause in Havelberg wurde genutzt, um aller Arten von Doping-Mitteln habhaft zu werden: leckere Kuchen, Bananen, Gels, Magnesium, Riegel, ... Dafür wurde ordentlich Zeit benötigt ...

Pause in DömitzFrisch gestärkt ging es auf die dritte und letzte Etappe. Dort holte uns ein Team ein, das von drei sehr kräftigen Brevet-Fahrern dominiert wurde; unter ihnen auch ein HSV-Triathlet, mit dem ich mich ab und zu gemeinsam in die Führung der sich dann formierenden Zweierreihe begeben durfte: FC St. Pauli und HSV vereint gegen den Wind - das gibt es nur bei HH-Berlin! In Berge mussten wir allerdings abreißen lassen: die Jungs waren mit ca. 34 km/h einfach zu schnell. Dafür gesellte sich ab diesem Ort auf einem kleinen Stück der Bundesstraße B5 bis Nauen ein Tandem zu uns. Auf diesem Tandem ging es zu wie in manchem heimischen Klischeehaushalt: vorne schuftete Bernd K. aus Zeven »wie ein Pferd« gegen den Wind, hinten gab Helle M. aus Kiel scharfzüngige Kommandos. Diese nicht unwillkommene Ablenkung konnte aber nicht verhindern, dass unsere Kräfte langsam aber sicher zusammenschmolzen. Sehr lange Geraden, vor allem ab Falkensee bis Berlin-Spandau zermürbten auch psychisch: da konnte auch Helle nichts mehr für uns tun.

Kurz vor dem Ziel ergab sich auf ein Mal ein größeres Feld: wie bei einer Sternfahrt kamen hier Fahrerinnen und Fahrer aus verschiedenen Richtungen wieder zusammen. So gestalteten sich die letzten leicht ansteigenden Kilometer bis Gatow noch einmal zu einem Rennen, bei dem letztendlich aber niemand gewinnen konnte.

Kaputt, aber glücklich ...Endlich im Ziel! Die Zielzeit musste man selbst eintragen, dann gab es Bier, heiße Suppe oder Grillwürstchen ... und bereits viele bekannte anwesende Gesichter. Wir waren folglich irgendwo im Mittelfeld platziert, obwohl wir fast in persönlicher Bestzeit angekommen waren (Ankunftszeit 17:03 h, also genau 9:50 h unterwegs gewesen, Klaus und ich waren 2010 3 Minuten schneller). Später konnten wir auch Jan, Marc und Yves begrüßen, die etwas gemütlicher gefahren waren. Adriane und Micha, die erst abends im Ziel waren, haben wir leider nicht mehr gesehen.

Kurze Zeit nach der Ankunft zwar körperlich »getillt«, aber nur noch gute Laune: ausströmendes Adrenalin, goldenes Herbstwetter, der herrliche Ort an der Havel, und auch Erinnerungen an die tolle Strecke lassen die anderen (schmerzhaften) Erinnerungen ganz schnell verschwinden, so dass es jetzt schon heißt: HH-Berlin 2013, wir sind dabei!!!

Wolf

PS:

 
FC St. Pauli Radsport
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