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Jugend-Radtraining
 

Radpirat Klaus Hake auf dem Alpenbrevet: hoch, höher, am hHöhenprofil der Platin-Rundeöchsten!

13.08.2011

Es geht noch mehr als beim Ötztaler Radmarathon: der Alpenbrevet, Platinrunde bietet 5 Pässe mit 276 km und 7.031 Höhenmetern! 13,5 Stunden benötigte der Radpirat Klaus Hake, um diese Herausforderung zu überwinden und landete damit noch im Mittelfeld einer exklusiven Runde von 308 Teilnehmer/innen (Frauenanteil: exakt: 8). Hier sein Bericht:

Das 1. Mal las ich darüber in der Tour Ausgabe Nov. 2010. Als Freund der Berge dachte ich mir:
Das wäre mal was für das nächste Jahr .Nachdem ich dann in 2011 bereits reichlich Höhenmeter gesammelt hatte, u. a. beim 3-Ländergiro, als Solist auf dem Stilfser Joch sowie der große Adlerrunde im Harz, fühlte ich mich reif für die Herausforderung.

 

Ziel war natürlich die Platinrunde, d. h. rd. 280 km über 5 Pässe der Zentralschweiz mit 7.031 Höhenmetern.

Zusammen mit Gerald Heiss von RV Endspurt Hamburg machte ich mich auf den Weg nach Süden. Unser Ziel war Meiringen, ein kleiner Ort  ca. 100 km südlich von Zürich.

Spätestens an der Grenze wurde uns klar, welch teures Pflaster die Schweiz ist. Der Wechselkurs lag beinahe bei 1:1. Allein für die Mautgebühr mussten wir für 3 Tage 40 € berappen! Was soll's. Die Berge rufen!

In Meiringen fanden wir einen Campingplatz umrahmt von herrlicher Gebirskulisse, ca. 3 km vom Start/Ziel entfernt, wo wir unsere Zelte aufschlugen.
Nachdem wir noch ordentlich Kohlenhydrate (Kartoffelgratin) gefuttert hatten, krochen wir zeitig in unsere Zelte. Schließlich war bereits um 6:45 Uhr Start. Nach einem Frühstück im Schein der Taschenlampe, rollten wir zum Start. Die Wettervorhersage war äußerst positiv. Vor allem war kein Regen vorhergesagt! Als wir so am Start standen, kamen uns doch leichte Bedenken über die Durchführbarkeit unseres Vorhabens. Schließlich galten Zeitlimits. Als erstes mußte man bis 11:15 Uhr nach 88 km die ersten beiden Pässe überwunden haben. Beim Verpassen des Zeitlimits durfte man nur noch die sogenannte Goldrunde: 172 km und 5.294 Höhenmeter fahren. Aber dafür waren wir eigentlich nicht in die Schweiz gefahren!

Noch kann man die Ausssicht genießen ...Der Startschuss machte unseren Gedanken ein abruptes Ende. Nun galt es: Fahren !Fahren! Zügig ging es in den ersten Pass, den Grimsel. Ich versuchte, kontrolliert zu fahren und nicht dem ein oder anderen der vorbei zog zu folgen. Das Zwischenziel war, nach 88 km im Zeitlimit zu bleiben. Zuerst nimmt man noch die herrliche Berglandschaft war. Beim Blick nach oben am Grimsel sah ich eine vermeintlich bunt schimmmernde Felswand. Beim Näherkommen stellte sich das als Staumauer mit buntem Graffiti bemalt heraus.

Nach einer gut zu fahrenden Abfahrt ging es den zweiten Pass hinauf auf das Dach der Platintour: den Nufenen auf 2.480m Höhe. Alles lief gut. Die aufgehende Sonne ließ ahnen, das es noch heiß werden würde. Die Abfahrt führte wieder herunter auf 1.150 m zum Kontrollpunkt. Ca. 11:03 Uhr hatte ich Ihn erreicht. Das Zeitlimit hatte ich somit locker unterboten. Nun begann das Abenteuere Platinrunde erst richtig! Die nächsten rd. 40 km waren annähernd flach bei leichtem Gegenwind. Glücklicherweise fand ich dazu die ideale Gruppe. Zu fünft legten wir das Teilstück im flotten 40er-Schnitt zurück. Bis zum dritten Pass, den Luckmanier. Nicht steil, ca. 6% aber elendlich lang, ca 34 km. Mittlerweile brannte die Sonne vom Himmel. Erinnerungen an die Hitzeschlachten bei der letztjährigen Transalp kamen hoch. Kaum ein Baum spendete Schatten. Irgendwann begannen die Füße zu brennen. Zum Glück kam man an einigen Wasserquellen vorbei, wo die Trinkflaschen aufgefüllt werden konnten. Irgendwann nahm auch dieser Pass ein Ende! Auf dem Gipfel pfiff ein heftiger Wind, der einem frösteln ließ. Die Abfahrt führte auf einer ziemlich holprigen Strasse. Unterwegs lief mir fast ein nicht indentifizierbares Wildtier ins Rad. Marder,Dachs oder so ähnlich. Glück gehabt!

An den vierten Pass, den Oberalp, habe ich keine so rechte Erinnerung mehr. Mittlerweile hatte sich das Feld der Platinfahrer total auseinandergezogen. Es bestand im Grunde genommen nur noch aus Einzelkämpfern. Dann kam der letzte Pass: DerSusten. Hinauf auf 2.224 m. So langsam schwanden die Kräfte. Der Blick war immer öfter nach oben fixiert. Nur: das endlose Strassenband, das sich noch den Berg hinauf zog, war wenig motivierend. Hier spielten sich einige Dramen ab: mal lag ein Fahrer neben der Piste auf dem Rücken im Gras. Mal hockte jemand aphatisch am Strassenrand neben seinem Rad. Die Versuchung war groß, es Ihnen gleich zu tun. Aber irgendwann erblickte man ein Schild: Noch 1.000 m bis zum Gipfel!! Die 1.000 m waren aber auch noch verdammt lang. Endlich! Am Gipfel. Der Magen rebellierte nach all den süßen Gels und Riegeln. Eine Scheibe Bauernbrot und Käsewürfel waren für die bevorstehende Abfahrt ins Ziel eine willkommene  Abwechslung.

Bei der finalen Abfahrt stand die tiefliegende Sonne direkt ins Gesicht. Also noch einmal höchste Konzentration. Vor allem bei abruptem Wechsel in den Schatten oder in Tunnels.
Ein letzter Anstieg ca. 5 km vor dem Ziel wurde vor lauter Euphorie nicht mehr wirklich als Belastung wahrgenommen. Bergfahren ist vor allem auch Kopfsache!Endlich im Ziel!

Dann das Ortsschild Meiringen. Die Lautsprecher im Ziel waren zu hören. Der Zielstrich! Die Erlösung. Das Zielfoto spricht, meine ich, Bände. Aber für diesen einen unsagbar glücklichen Moment haben sich alle Anstrengungen gelohnt.

Einige Schluck trinken und dann ganz schnell zum Zeltplatz unter die Dusche. Danach nur noch in den Schlafsack und schlafen. Gerald kam ca. 45 min nach mir ins Ziel. Er weckte mich dann und wir feierten noch gemeinsam unseren Erfolg.

Also: Vergesst den Ötztaler! Der Alpenbrevet ist das Ziel aller St.Pauli Bergziegen in 2012!

 
FC St. Pauli Radsport
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