Sa Nov 25 @13:00
Spinning / KSÜ für Radpiraten
 

Tour Transalp 2010

Härtetest für Geist und Körper

Ausführlicher Bericht mit Fotos und GPS-Streckenprofilen

von Wolf Rambatz

Abfahrt vor traumhaftem Panorama Zieleinfahrt der Radpiraten

Die Idee

Die Idee, die Alpen per Muskelkraft zu durchqueren ist faszinierend. Ob zu Fuß, mit dem Rad (Mountain-Bike oder Rennrad) oder neuerdings auch im Winter mit Tourenski: schnell sind wir restlos begeistert. Alle diese Alternativen zu den Blechkarawanen, die sich über die Alpenpässe ziehen, garantieren spektakuläre Naturerlebnisse, eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem eigenem Geist und Körper und schließlich den Stolz, alle diese schweren Strecken und Pässe bewältigt zu haben.

Schnell kommt dabei die Idee auf, dies nicht alleine zu tun. Wenn sich aber erst einmal mehrere Teilnehmer/innen für eine solche Idee begeistern, kommt auch schnell der Wettbewerbsgedanke auf: die Alpendurchquerung wird zum Rennen - für uns Radler heißt das: zum Etappenrennen.

Inspiriert vom Erfolg des (Mountain-) Bike Transalp veranstaltete die Zeitschrift Tour in diesem Jahr zum achten Mal den Tour Transalp (offizielle Lesart für die Sponsoren: »Jeantex Tour Transalp powered by Sigma«). Gründer Uli Stanciu, Herausgeber der Zeitschrift Bike, versierter Kenner der Alpen und ihrer Pässe, war auch Begründer des Bike Transalp. So ist es nicht verwunderlich, dass der Tour Transalp nach ähnlichen Regeln ausgetragen wird.

Es treten 500 - 600 Zweier-Teams in den folgenden Kategorien an:

  • Damen
  • Mixed
  • Herren
  • Masters (Summe des Alters beider Starter > 80)
  • Grand Masters ((Summe des Alters beider Starter > 100)

Zweier-Teams sind vermutlich ein Kompromiss zwischen den im Hobbysport üblichen Einzelstarts und den Teamstarts im professionellen Radsport. Hobbyfahrer, die üblicherweise auf Rennen wie bei »Rund um Köln«, Cyclassics und vielen anderen als Einzelpersonen starten, müssen sich umstellen: gewertet wird wie beim Team-Zeitfahren in einem Profirennen die Zeit der/des letzten. Nicht die/der einzelne muss Vollgas geben, sondern das Duo muss in Bestzeit durchkommen. Das Auftreten im Team hat auch Vorteile, wenn technische Defekte, Stürze oder andere andere gesundheitliche Probleme auftreten.

Die Strecke des Tour Transalp führt i. d. R. durch die Zentralalpen, d. h. vom äußersten Süden Deutschlands über Österreich nach Südtirol/Italien, manchmal noch mit einem vorherigen Schwenk nach Graubünden/Schweiz. Dabei werden zwischen 700 und 900 km und um die 20.000 Höhenmeter absolviert.

Auf der gut ausgeschilderten Strecke gibt es Support durch 2-3 Wasser-/Verpflegungsstellen sowie Service-Autos. Ein am Ende des Feldes befindlicher »Besenwagen« darf natürlich nicht fehlen.

Im Start-/Zielbereich befinden sich Stände der ausrichtenden Sponsoren; meist befindet sich in unittelbarer Nähe auch der Ort, an dem an jedem Abend Pasta-Party, Siegerehrung und Strecken-Briefing für den Folgetag stattfinden.

Während der Etappenrennen wird das Gepäck in genormten Taschen transportiert, die bei der Akkreditierung ausgeteilt werden. Die Unterbringung erfolgt entweder im »Camp« (Turnhalle, Schule o. ä.), im (selbst organisierten) mitreisenden Wohnmobil oder in Hotels/Pensionen, die selbst gebucht werden müssen.

Die Realisierung

Die Idee hatte mich schon lange gepackt. Allerdings bäumten sich vor der Umsetzung diverse Hindernisse auf: der ungünstig gelegene Termin vor den Hamburger Schulferien, die schlechten Möglichkeiten, vorher ausreichend Berge zu trainieren, nicht zu unterschätzenden Kosten (624 € für den Tour Transalp zuzüglich Anreise, Hotelkosten, Verpflegung, ...).

So war es denn fast ein Zufall, der mich an den Start brachte. Mein häufiges Schwärmen im Kreis der Vereinskollegen hatte dazu geführt, dass mein Pauli-Team-Kamerad Klaus Feuer und Flamme war und sich gemeinsam mit Sven anmelden wollte. Kurz vor dem Anmeldetermin am 1.12.2009 (ähnlich wie bei vergleichbaren Veranstaltungen eine Art »Internet-Rennen« um die Startplätze) fiel Sven aber aus. Kurzerhand sprang ich ein, zunächst allerdings eher als »Dummy«, der dann später im Tauschverfahren ersetzt werden sollte. Als dann aber am 1. Dezember die Mail mit einem bestätigten Startplatz für unser Team »FC St. Pauli Radpiraten« hereinflatterte, packte mich das Fieber: wenigstens musste ich es versuchen, mitzufahren!

Im Februar 2010 »beichtete« ich den Termin meinen beiden Schulleitern Bernt Grabow und Ulrich Mumm (Gymnasium Allee, Hamburg). Und wieder einmal Glück: beide stimmten einem außerordentlichen Urlaub zu diesem Zwecke zu! Vielen, vielen Dank, Herr Grabow und Herr Mumm: sie haben mir so zu einem einzigartigen Erlebnis verholfen!

Nachdem die organisatorischen Hürden nun genommen waren, hieß es, sich sportlich vorzubereiten. Klaus und ich handelten nach keinem Trainingsplan, absolvierten aber fast jeden Sonntag einen Radmarathon oder eine RTF; immer mit ordentlich Druck auf dem Pedal. Ein etwas bergiges Profil konnte ich bei »Rund um Köln« gleich zum Saisonstart fahren, noch hilfreicher waren aber das Pauli-Trainingslager im Schwarzwald und eine nachbereitende Ausfahrt im Harz.

Dann eine Woche vor dem Beginn des Transalp ein böser Schreck: nächtlicher Sturz mit dem MTB, als ein Radweg mitten in Hamburg in einer nicht gesicherten Baustelle endete. Mit Verdacht auf Leistenbruch landete ich dann beim Arzt, wo sich dieser zum Glück nicht bestätigte, Ufff! Allerdings startete ich zum Transalp mit einem dicken Bluterguss im Leistenbereich; während der Woche gab es schon der Hitze wegen kaum Gelegenheit, dass dieser abschwoll. Aber immerhin war die Teilnahme gesichert.

Anreise und Akkreditierung

In diesem Jahr startete der Transalp in Mittenwald, ein kleiner touristischer Ort am Fuße des Karwendel, direkt an der österreichischen Grenze gelegen. Wir waren etwas oberhalb in Leutasch (schon in Österreich) untergebracht, immerhin knapp 1.000 km von Hamburg entfernt. Zum Glück hatten wir auf unserer Fahrt am 25.06. kaum Hindernisse auf der Autobahn, so dass wir mit meinem T4 in 8,5 Stunden dort ankamen.

Am nächsten Tag begaben wir uns auf eine lockere Trainingsrunde ... und wurden als erstes prompt von zwei Uni-Hamburg-Fahrern mit einem kräftigen »Moin Moin« begrüßt.  Am Abend standen dann Akkreditierung und die erste Transalp-typische Abendveranstaltung auf dem Programm: bei der Akkreditierung bekamen wir die bereits erwähnte genormte und beeindruckend große Transalp-Reisetasche, die Kombi aus Startnummmer und Transponder, ein dem professionellen Rennen vergleichbares Roadbook, Tickets für die Pasta-Parties und den Rücktransport von Arco nach Mittenwald sowie eine Menge an Werbematerial, von dem das meiste gleich im Papierkorb landete. Dann begaben wir uns zur Pasta Party und dem Briefing für die erste Etappe durch den Rennleiter Uli Stanciu. Obwohl letzteres lehrreich und sinnvoll war (Uli gab sich große Mühe in der verbalen und digitalen Beschreibung der Strecken und outete sich einmal mehr als wahrer Kenner der Alpenpässe), gehörten die Abendveranstaltungen nicht zu den Highlights des Transalp: das Essen war eher auf Sättigung angelegt; die Tonanlage war - wie in den meisten anderen Etappenorten dann auch - mit 1.200 Menschen überfordert. So entstand eine lärmige, unruhige Atmosphäre; wir waren froh, als diese beendet war und wir uns in unser ruhiges Dörfchen zurückziehen konnten - so war es dann leider an den meisten anderen Abenden auch.

27.06.2010 Erste Etappe: Mittenwald - Sölden (Ötztal)
121 km, 2.200 Höhenmeter

Kurz nach 8:00 hatten wir unseren T4 auf einem Bundeswehr-Parkplatz in Mittenwald geparkt, unsere Gepäcktasche abgegeben und standen gut gelaunt und hyper-motiviert am Start in Mittenwald. Wir waren in den (dritten) Startblock C eingeordnet (und sollten diesen trotz täglicher Neu-Zusammenstellung der Startblöcke über die ganzen 7 Tage nicht verlassen). Da bis zum Start um 9:00 noch Zeit war, gab es viel Gelegenheit zum Klönen, vor allem mit den nicht wenigen anwesenden »Nordlichtern« (Hamburger, Berliner, Niedersachsen, Schleswig-Holsteiner). Auffällig waren neben den Norddeutschen noch viele Starter/innen aus dem »Team Israel«, gekennzeichnet durch gelbe Bänder an den Helmen und begleitet durch eine Audi-Flotte auf den Strecken (laut Reglement zwar verboten, scheinbar aber doch toleriert).

Die Laune wurde noch verbessert durch ein Bomben-Wetter: nicht ein Wölkchen am Himmel und trotzdem zunächst angenehme, nicht zu hohe Temperaturen. Um es vorwegzunehmen: während der ganzen 7 Tage haben wir lediglich einige wenige Regentröpfchen verspürt, während die Temperaturen immer weiter anstiegen. Westen, Jacken, Armlinge, Beinlinge, Radrucksack usw. wurden so zu völlig überflüssigem Material, das in der Reisetasche verblieb.

Nach dem Startschuss ging es in unserem Block zum Glück nicht so hektisch zu, wie wir es von Jedermannrennen und manchen RTFs gewohnt sind: im Gegenteil, es wurde entspannt und sehr fair gefahren. Letzteres blieb uns über den ganzen Transalp erhalten. Selten haben wir eine Radsport-Veranstaltung erlebt, auf der so fair und kollegial gefahren wurde, auch von deutlich stärkeren Leistungsklassen. Toll!!!

Über einen kleinen Anstieg ging es in das (uns ja schon bekannte) Leutasch, das auf einer kleinen Hochebene liegt. Hier musste Klaus einmal einen kleinen Feldausflug á la Armstrong machen, als eine Fahrerin vor ihm aus unbekannten Gründen eine Vollbremsung vollzog. Immerhin hatte Klaus zum Glück sein Manöver voll im Griff und kam sturzfrei ins Feld zurück; die verursachende Fahrerin entschuldigte sich sehr nett. Auf der ersten (und schon recht steilen) Abfahrt nach Telfs bekamen wir zu spüren, was für »Schnecken« wir selbst beim Abfahren waren: es pfiff auf der linken Seite massiv an uns vorbei. Speziell die Lightweight-Carbonfelgen begleiteten das Pfeifen mit einem extra-Quietschen, sobald auch nur die kleinste Bremsung vorgenommen werden musste.

Später trafen wir einige Norddeutsche und Hamburger/innen z. B. das Mixed Team »Monte Rombo« aus Uetersen, die trotz der fehlenden Bergpraxis sehr mutig in die Abfahrten gingen; wir gehörten nicht dazu. Manche von diesen haben die Technik und den Mut dazu scheinbar »im Blut«; viele aber auch Motorrad-Erfahrung, die dazu sehr nützlich ist. Allerdings ergaben sich dadurch kaum nennenswerte Abstände: spätestens beim nächsten Aufstieg sahen wir unser »C-Feld« wieder.Abfahrt mit Tunnelkühlung

Aus dem Inntal heraus ging es dann über den Sellrain hinauf in den ersten »richtigen« Aufstieg nach Kühtai, einem kleinen Wander- und Skitouren-Ausgangspunkt auf 2.000 m Höhe. Dazu waren etwa 1.400 Höhenmeter zu bewältigen, zunächst moderat mit maximal 8% Steigung. Kurz vor der Passhöhe bäumten sich dann allerdings zwei Rampen mit knapp 17% auf. Spätestens hier hieß es, »aufzustehen«. Einige Fahrer/innen schoben ihr Rad bereits. Klaus hatte an dieser Anhöhe das »Rennfieber« gepackt. Immernoch in Sichtweite, lag er doch meist eine Kehre vor mir.

Oben auf der Passhöhe befand sich die erste Verpflegung: diese waren nicht einer RTF-Verpflegung vergleichbar, sondern voll auf ein Rennen ausgerichtet. Die wichtigsten Produkte waren Wasser bzw. andere Flüssigkeiten, zusätzlich wurden Melonen, Studentenfutter, manchmal auch Riegel und Gels gereicht. Entsprechend wurde sich hier nicht lange aufgehalten, es ging in die Abfahrt. Für mich wurde es sowieso Zeit, da Klaus hier offensichtlich nur einen minimalen Boxenstop vollzogen hatte.

Die Abfahrt hinunter nach Ötz gestaltete sich zur Genussabfahrt: lange Geraden und einsichtige Kurven - ein Norddeutscher, den wir erst später kennenlernen sollten, hätte diese als »Kinderabfahrt« bezeichnet. Einzelne Gefahrenstellen wie z. B. »Kuhgitter« auf der Straße wurden vorbildlich durch Streckenposten angezeigt/abgesichert. Am Ende der Abfahrt in Ötz befand sich eine weitere Verpflegungsstation, an der ich gerade noch rechtzeitig ankam, bevor Klaus zum Start ansetzte. Nun ging es über einen seichten, 40 km langen Anstieg nach Sölden (durchschnittlich 3-4%). Jetzt, wieder unterhalb von 1.000 m, stieg die Hitze stark an. Ich selbst hatte an diesem Tag zu wenig Wasser getankt; meine beiden Flaschen trank ich noch in den ersten 10 km leer. Auf diesem Teilstück bestätigte Klaus das, was er vorher schon im Anstieg gezeigt hatte: der Mann war bombenfit! Ich hatte Mühe, ihm zu folgen und musste zweimal »abreißen« lassen. Im Ziel gemeinsam mit ihm angekommen, war ich nahe an Wadenkrämpfen: die Muskeln zuckten unkontrolliert vor sich hin. Aber wir erholten uns schnell.

Das war auch notwendig, denn wir hatten noch 4 km bergauf in das niedliche Dörfchen Zwieselstein zurückzulegen: eine sehr lohnende Anfahrt unterhalb eines tollen Bergpanoramas. Nachdem wir auch unsere recht versteckt gelegene Pension gefunden hatten, genossen wir unseren Standort und beschlossen, die Abendveranstaltung in Sölden auszulassen.

Rennergebnis:
Platz 45 von 100 in der Kategorie »Grand Masters«.
Etappenzeit 5:06.23,1
ø 23,676 km/h
Platz 331 von knapp 600 in der Gesamtwertung

Zum Vergleich:
Die Sieger der Kategorie »Grand Masters« benötigten lediglich 3:48 h (ø 31,7 km/h), die Gesamtsieger sogar 3:31 h (ø 34,4 km/h). Von diesen Ergebnissen trennten uns natürlich Welten (wir sollten aber später erfahren, dass das Spitzenfeld im Wesentlichen aus Profis besetzt war). Wir waren aber trotzdem mit unseren Wertung im Mittelfeld recht zufrieden.

GPS-Streckenprofil:
 

28.06.2010 Zweite Etappe: Sölden - Brixen
124 km, 2.900 Höhenmeter

Nachdem wir am Morgen des nächsten Tages wieder nach Sölden heruntergerollt waren, gingen wir schon um einiges ruhiger an den Start als am Vortag. Vor dem Betreten des Start-Areals begaben wir uns erst einmal an den Service-Stand der Firma Rose, um die Laufräder optimal aufzupumpen; ein Ritual, das sich jeden Tag wiederholen sollte. Die Firma Rose leistete in jeden Hinsicht einen optimalen Service, was uns von vielen Fahrer/innen berichtet wurde - und uns später auch selbst zugute kommen sollte. Dank unserem Ergebnis des Vortages waren wir wieder im Block C und starteten mit unserem Feld wieder den Berg hinauf, jetzt aber weiter hinauf zum Timmelsjoch, das auf 2.500 m die Grenze nach Südtirol/Italien markiert. Die Strecke war sehr beeindruckend, an den Straßenrändern türmte sich noch der Schnee, was sich bei den allgemein weiter zunehmenden Temperaturen als sehr angenehm herausstellte.Auffahrt auf das Timmelsjoch

Auch an diesem Tag demonstrierte Klaus wieder Stärke und Rennfieber und zog von dannen (laut den Kommentaren vom Straßenrand hielt er sich dann mit etwa einer Minute Vorsprung); ich sollte ihn erst im Ziel wiedersehen. Nach dem Auftanken auf der oben gelegenen ersten Verpflegung ging es auf eine Atem beraubende, insgesamt knapp 30 km lange Abfahrt. Der Genuss wurde dadurch noch verstärkt, dass die italienische Polizei die Straßen bis 45 Minuten nach dem Spitzenfeld sperrte - zu diesem Zeitpunkt konnten wir diesen Vorteil noch genießen. Lediglich zwei unbeleuchtete Tunnel trübten die Hochstimmung etwas: auch ohen Sonnbrille war nichts zu erkennen, was bei Geschwindigkeiten um die 60 km/h mulmige Gefühle verursachte - jedenfalls bei mir. Andere hatten diese scheinbar nicht und »knallten« selbst dann noch mit höheren Geschwindigkeiten an mir vorbei.

Im Passeiertal in St. Leonhard angekommen (nur noch auf etwas über 700 m), erlebten wir jetzt richtige Hitze. Um zu Schwitzen war es eigentlich gar nicht mehr notwendig, noch weiterzufahren! Aber es ging dennoch weiter: jetzt den Jaufenpass hinauf, ein Klassiker in Südtirol, der Meran via Passeiertal an Sterzing über das Ratschingstal anbindet. Der Pass ist nicht übermäßig steil (übersteigt i. W. nicht 10%), »zieht« sich aber ganz schön (knapp 20 km). Nach der nächsten Verpflegung auf der Passhöhe folgte dann die Abfahrt, die sich nicht so spektakulär wie die vorige darstellte, aber gut zu fahren und somit auch schnell erledigt war.

Jetzt folgte ein sehr schwieriger Teil, jedenfalls, wenn man wie ich zu diesem Zeitpunkt i. W. alleine unterwegs war. Knapp 40 km waren noch nach Brixen zu fahren: leicht abschüssig, allerdings bei einer Bruthitze, das Wasser wurde schon wieder knapp. Das Feld hatte sich inzwischen so auseinandergezogen, dass sich zunächst keine Fahrer/innen fanden, die mit mir gemeinsam fahren wollten. Nach ca. 15 km Alleinfahrt überholten mich dann zwei Fahrer, die mit ca. 50 km/h unterwegs waren: zunächst hatte ich keine Chance zum Aufschließen. Eine Ampel auf der Strecke (die Straßensperrung hatte sich zu dieser Zeit lange erledigt) bescherte sie mir aber wieder und im Windschatten konnte ich bis kurz vor Brixen mithalten. Hier stellte sich noch einmal eine kleine Anhöhe mit bis zu 10% in den Weg. Bei mir war die »Batterie aber schlichtweg alle«, so dass ich die beiden ziehen lassen musste. Auch die Konzentration ließ deutlich nach: bei der Abfahrt in den Ort hinein sprang mir erst die Kette ab (zum Glück war ich schon durch die Zeitnahme gefahren, die sich etwas vor dem eigentlichen Ziel befand), dann knallte ich im Ziel noch auf einen kleinen Absatz, was einen Platten verursachte.

Immerhin war ich wieder mit meinem Teamkameraden Klaus vereint, konnte mich meiner total überhitzten Schuhe entledigen und ordentlich Flüssigkeit nachtanken: herrlich! Wie einfach das Leben manchmal sein kann und welche Freude man daran empfindet ... Auch in Brixen mussten wir noch zu unserem ca. 2 km entfernten Hotel fahren, entschlossen uns dann aber später, an der Abendveranstaltung teilzunehmen. Diese fand diesmal »Open Air« auf dem Domplatz statt und war dadurch erheblich entspannter als in Mittenwald. Sie begann mit der Siegerehrung für jede Kategorie, die sich an diesem Tag bereits in Tages- und Gesamtwertung aufteilte (für letztere gab es in jeder Kategorie ein Trikot: gelb für die Herren, rosa für die Damen, orange für die Mixed Teams, blau für die Masters und grün für die Grand Masters) und einer Sonderehrung der Sponsorfirma Scott: dem »Scott-Attack-Preis«. Dieser wurde an das Team verteilt, das den größten Sprung in der Gesamtwertung gemacht hatte. Dadurch machten es sich einige Teams zum Hobby, an einem Tag betont langsam zu fahren, um dann am nächsten »Gummi zu geben«. Dafür erhielten sie dann einen Helm der Sponsorfirma und ein rotes Trikot, das am nächsten Tag zu tragen war. Es folgte das Briefing für die schwere Etappe des nächsten Tages, für das sich das Kommen wieder gelohnt hatte: besser als Uli kann das wohl kaum jemand in Worte fassen.Rennleiter Uli Stanciu in Aktion (Foto: Janibal)

Nach der Veranstaltung stellte ich fest, dass die Nahrungsaufnahme nicht ausgereichend gewesen war und so ließen wir uns noch in einer nahe gelegenen Weinstube nieder, um leckere Südtiroler Spezialitäten zu genießen. Die Stärkung war auch vonöten, denn wir waren ohne die Räder in die Stadt gekommen. Jetzt aber fuhr kein Bus mehr und Taxis waren nicht erreichbar. Es waren also noch 2 km Fußmarsch bis ins Hotelbett zurückzulegen ...

Rennergebnis:
Platz 51 von 98 in der Kategorie »Grand Masters«.
Etappenzeit 5:46.24,3
ø 20,958 km/h
Platz 385 von knapp 600 in der Gesamtwertung

In der fortlaufenden Wertung:
Platz 45 bei den Grand Masters
Platz 353 in der Gesamtwertung

Wir hatten uns somit verschlechtert, was hauptsächlich auf meine Isolierung und Schwäche auf den letzten flachen 40 km nach Brixen zurückzufuhren war.

Die Sieger der Kategorie »Grand Masters« benötigten diesmal 4:04 h (ø 29,8 km/h), die Gesamtsieger sensationelle 3:43 h (ø 32,5 km/h).

GPS-Streckenprofil:
 

29.06.2010 Dritte Etappe: Brixen - St. Vigil
90 km, 3.000 Höhenmeter

Die heutige Etappe war zwar kurz, erwies sich aber schnell als die schwerste des diesjährigen Tour Transalps. Aus Brixen heraus, ging es schnell an den ersten Anstieg heran, das Würzjoch. Klettern war wieder angesagt: von ca. 600 auf 2.000 Meter, zum Glück aber mit moderaten Steigungen bis maximal 8%. Klaus war wie gewohnt eine Minute vor mir, meine Motivation wurde dadurch aber nicht geschmälert. Auch ich befand mich ganz links auf der »Überholspur« und bewegte mich in unserem C-Block nach vorn.

Natürlich musste ich in der folgenden Abfahrt wieder einige Positionen abgeben, trotzdem ging diese unproblematisch über die »Bühne«. Schwieriger gestaltete sich schon die Überführungsstrecke zum nächsten Pass, die über sehr schmale Straßen und z. T. asphaltierte FErholungsphase im Ziel von St. Vigil (Foto: Janibal)eldweg mit heftigen Rampen bis zu 14% verlief. Noch steiler ging es dann auf dem Furkelpass zu, der 10% kaum unterschritt, aber bis an 18% heranreichte (im Briefing des Vorabends auch als »Furunkelpass« bezeichnet). Oben angekommen, »brannte« es in meinen Schuhen; eine kurze Wasserkühlung war angesagt. Nach einer technisch schwierigen Abfahrt über schmale Straßen traf ich auch Klaus wieder, der kurz vor St. Vigil gewartet hatte, um gemeinsam mit mir ins Ziel zu fahren.

In dem (idyllischen bis fast kitschigen) Ort St. Vigil am Nordrand der Dolomiten war es zwar kühler als in Brixen, da wir uns immer noch auf 1.200 m befanden. Trotzdem war noch Abkühlung angesagt: kühle Getränke, Melonen, Fußbäder. Während dessen wurde uns langsam klar, dass wir auf dieser schweren Etappe einige Positionen vorgerückt sein mussten: einige gewohnte Mitfahrer/innen wie das bereits erwähnte Mixed Team »Monte Rombo« aus Uetersen oder das Damen-Team »Corratec Frauenpower« waren noch nicht im Ziel. Im Talk mit v. a. norddeutschen Mitfahrer(inne)n wie z. B. Jan aus Bargteheide oder Andreas aus Malente bekamen wir erst mit, wie viele Stürze es auf der Abfahrt nach St. Vigil gegeben hatte. Schon am Vortag war eine der Favoritinnen in der Damenwertung vom Team »Schneeweißchen und Rosenrot« so schwer gestürzt, dass sie mit langen Schürfwunden am ganzen Körper, vor allem aber an den Beinen gezeichnet war. Natürlich waren somit die Ambitionen des Teams begraben, trotzdem stieg sSiegerehrung: Hanke und Jens nur auf Platz 2 ...ie in den letzten Etappen wieder aufs Rad. Respekt!

Verwunderlich waren die Stürze aber nicht, wenn man die Fahrweise von vielen in den Abfahrten mitbekam: bis in die Kurven hinein mit maximalem Speed, dann heftigstes Abbremsen, was v. a. die nicht wenig vorhandenen Lightweight-Carbonfelgen mit fiesen Geräuschen quittierten. Dadurch, dass die Bremsweise nicht dosiert war, kam es häufig zu Steuerfehlern und z. T. auch überhitztem Material.

Nach dem Auffinden unseres Hotels am Ortsrand und der dortigen Auffrischung begaben wir uns auf die Abendveranstaltung, die diesmal in einem Zelt stattfand und wieder mit den üblichen Audioproblemen behaftet war. Die Siegerehrung verfestigte bereits die Positionen der späteren Sieger in allen Kategorien; lediglich die Niederlage der beiden Profis Hanka Kupfernagel/Jens Schwedler gegen die späteren Sieger Claudia Till/Wilhelm Herbst in der Kategorie Mixed war etwas überraschend. Uli Stanciu bereitete uns auf die Königsetappe des Folgetages vor: 5 Pässe im Bereich der »Sellaronda« in den Dolomiten, zum Glück aber nicht mehr so steil.Hankas Wohnmobil in St. Vigil

Rennergebnis:
Platz 47 von 96 in der Kategorie »Grand Masters«.
Etappenzeit 5:03.36,9
ø 17,785 km/h (!!!)
Platz 349 von knapp 600 in der Gesamtwertung

In der fortlaufenden Wertung:
Platz 45 bei den Grand Masters
Platz 346 in der Gesamtwertung

Die Sieger der Kategorie »Grand Masters« benötigten diesmal unglaubliche 3:30 h (ø 25,7 km/h), die Gesamtsieger 3:14 h (ø 27,75 km/h).

GPS-Streckenprofil:
 

WeggefährtenTeam Monte Rombo aus Uetersen

Mit der Zeit bildete sich aus dem C-Block heraus so etwas wie eine Community: man begegnete sich jeden Tag wieder, meist mehrfach, zumal viele aus diesem Block nicht ganz so stark bergauf fuhren, wohl aber bergab und auch in der Ebene. Mit einigen hatten wir auch Gelegenheit, vor, während und nach der Etappe den einen oder anderen Joke auszutauschen und/oder ein wenig zu klönen.

Susi und Thomas Rautenberg aus Uetersen bildeten das Team »Monto Rombo« (als Mitglieder der Uetersener SG hatten wir sie bereits flüchtig kennengelernt; mit ihren Vereinskollegen Rainer und Ralf sind wir häufig auf RTFs und Radmarahtons gemeinsam unterwegs). Sie hatten sich akribisch auf den Transalp vorbereitet: Trikots und T-Shirts mit Teamnamen, extra Rahmenlackierung (sehr schick, von Nannook/Langbehn aus Wedel), Trainingsplan. Als Nordlichter hatten wir schnell Kontakt aufgenommen, aus dem sich eine Art Nord-Derby entwickelte, in dem wir allerdings nie eine Chance hatten, auch wenn wir bergauf immer wieder überholten. Am Ende waren sie 11 Minuten (und 11 Plätze in der Gesamtwertung) vor uns. Eigentlich sollte am Ende auch eine Nord-Feier folgen, aber dazu später ...

Jan alias »Janibal« aus Bargteheide ist bereits Transalp-Veteran (2010 war seine fünfte Teilnahme) und fuhr in diesem Jahr gemeinsam mit einem »Internet-Partner« Lothar (Dynamo Marburg). Er selbst fuhr deutlich stärker als wir, musste aber auf seinen Partner Rücksicht nehmJan alias Janibal aus Bargteheide (Foto: Tour)en und landete so in unserem Block. Ob vor oder während der Etappe oder abends bei der Pasta-Party: Jan war immer gut drauf (Ausnahme: letzter Tag, dazu später). Von ihm gibt es auch einen hübschen Bericht zum diesjährigen Transalp (bei Helmuts Fahrrad Seiten), sowie viele Fotos (bei Facebook).

Weitere Bestandteile der »Community« waren das Team »Corratec Frauenpower« (Steffi und Lena), das »Cyclingteam Sauerland Höhenflug« (Bettina und Andreas), »Eisenschweinkader« (Sabine und Stefanie) ... das sind jedenfalls diejenigen, die ich jetzt noch erinnere. Besonders ist mir allerdings das »Team AC/DC« (Holger und Thomas) aufgefallen, die sich langsam aus dem Block D heraus nach vorne in C fuhren.

30.06.2010 Vierte Etappe: St. Vigil - Alleghe
130 km, 3.300 Höhenmeter

Die heutige Etappe war von Uli Stanciu als Königsetappe qualifiziert worden: sie sollte landschaftlich einen Höhepunkt darstellen (auf dem Weg der »Sellaronda« durch die Dolomiten unterwegs) und war mit 5 Pässen, 130 km und 3.300 Höhenmetern die längste Etappe. Zunächst ging es aber aus St. Vigil heraus ca. 5 km mit dem ganzen Feld bergab. Danach kam ein eher sanfter Anstieg mit maximal 8% auf das Grödener Joch. Es folgte eine kleine Abfahrt, dann schon der nächste, ebenfalls erträgliche Anstieg auf das Sellajoch. Klaus wieder ein wenig vor mir, hatte ich genügend Muße, tolle Ausblicke auf spektakuläre Dolomitenfelsen zu genießen.

Das Spiel wiederholte sich mit der Überfahrt des Pordoi- und Falzarego-Passes. In der Abfahrt des letzteren hatte ich zum ersten Mal mit in der Hitze schmelzendem Asphalt zu kämpfen. Mit dem Asphalt klebten kleinen sich Steine u. a. an den Reifen, was störende Geräusche und unsichere Gefühle verursachte. Als ich an die Seite fuhr, um die Reifen zu säubern, merkte ich, dass ich nicht alleine war. Fast alle, die vorbeikamen, hielten kurz an, um selbiges zu tun. Der letzte Pass, der Passo Giau war dann wieder deutlich steiler mit maximal 12%; für mich eine Gelegenheit, mich noch einmal etwas nach vorne zu arbeiten (z. B. an »Monte Rombo« vorbei).

Mit Stephen am
Start in Kaltern ...

Nach der Abfahrt erwischte ich eine Gruppe, in der sich auch die immer wieder stark pedalierenden Corratec-Mädels befanden und fuhr gemeinsam mit diesen auf der letzten Flachpassage nach Alleghe. Kurz vor dem Ziel wartete wieder Klaus, mit dem ich mich dann gemeinsam ins Ziel begab.

Von Alleghe, das zwar sehr klein ist, aber sehr hübsch an einem Bergsee liegt, mussten wir noch 8 km bergauf zu unserem Hotel fahren. Dort wurden wir ganz herzlich begrüßt, allerdings von einer Frau mit Schweizer Akzent ("habt Ihr immer noch nicht genug bekommen?"). Nach anfänglichen Irritationen wurde klar, dass es sich nicht um die Wirtin handelte. Es war Judith Huonder aus der Schweiz, die mit ihrem Partner an diesem Tag und dann auch später in der Gesamtwertung Platz 3 der Mixed-Wertung belegte. Im Gegensatz zu manch anderem »Star«, der auf dem Transalp unterwegs war, keine Spur von Arroganz!

Wegen der Entfernung gab es hier die Möglichkeit, Shuttle-Busse zu nutzen, die der örtliche Tourismus-Verband bereitstellte, um zur Abendveranstaltung zu kommen. Wieder im Hotel, lernte ich noch einen netten Mitfahrer kennen: Stephen Schengber aus Florida. Auch Stephen gehörte zu den immer gut gelaunten und motivierten, wie ich dann an den nächsten Tagen feststellte.

Rennergebnis:
Platz 39 von 92 in der Kategorie »Grand Masters«.
Etappenzeit 6:19.48,9
ø 20,520 km/h
Platz 336 von knapp 600 in der Gesamtwertung

In der fortlaufenden Wertung:
Platz 41 bei den Grand Masters
Platz 339 in der Gesamtwertung

Die Sieger der Grand Masters benötigten diesmal 4:35 h (ø 28,3 km/h), die Gesamtsieger 4:18 h (ø 30 km/h).

GPS-Streckenprofil:
 

 

1.07.2010 Fünfte Etappe: Alleghe - Kaltern
115 km, 2.500 Höhenmeter

Jetzt konnte eigentlich nichts mehr passieren, dachten wir jedenfalls. Eine nominell leichte Etappe vor uns, nach wie vor strahlendes Wetter. Zielrichtung nach Westen und zurück in die Provinz Südtirol, die wir zwischenzeitlich verlassen hatten. Worauf uns allerdings niemand vorbereitet hatte: der Passo San Pellegrino, der sich zu Anfang in den Weg stellte, war steiler, als Roadbook und Ulis Briefing es dargestellt hatten: mehrfach waren mindestens 16% zu überwinden.

Nach der Überwindung eines weiteren Passes (Deutschnofen) wurde es allerdings flach. Außerdem wurde es extrem heiß, wir waren im großen Talkessel rund um Bozen angelangt, dem Weinanbaugebiet Südtirols. In einer sich organisierenden Gruppe, gemeinsam mit den AC/DC-Jungs, dann auch mit Monte Rombo, den Corratec-Mädels und Klaus, gelang dann auch die Einfahrt nach Kaltern. Die Schlusspassage war wieder leicht ansteigend, wodurch sich die Gruppe kurz vor dem Ziel wieder »zerlegte«.

Unser Hotel war wieder einmal etwas außerhalb von Kaltern gelegen und nicht leicht zu finden. Nachdem wir in einer Seitenstraße nach dem Weg gefragt hatten, und ich gemäß dieser Beschreibung gewendet hatte, hörte ich es hinter mir knallen: ein Radfahrer lag auf der Straße, Klaus stand noch, allerdings mit einem beschädigten Hinterrad. Der italienische Fahrer war mit Speed über einen Buckel in diese Seitenstraße hineingefahren und hatte Klaus, der sich gerade in der Wende befand, nicht rechtzeitig gesehen. An dem Unfall hatte keiner wirklich Schuld: der Fahrer hatte die Straße nicht einsehen können und Klaus ihn nicht kommen sehen. Zum Glück hatte der Italiener nur kleine Schürfwunden und sein Rad war nur kaum beschädigt. Klaus´ Mavic-Hinterrad hatte allerdings einige Carbon-Speichen eingebüßt; weiterfahren war undenkbar. Nach einem Anruf beim Rennbüro wurde prompt Hilfe losgeschickt. Carlos, der Fahrer des Transporters, der uns abholen sollte, hatte allerdings mit einem Problem nicht rechnen können. Die von uns angegebene Straße gab es doppelt, sowohl innerhalb von Kaltern als auch 4 km außerhalb, wo wir uns befanden. Es dauerte noch einige Telefonanrufe und 1,5 h, bis er uns gefunden hatte. Nachdem er uns im Hotel abgesetzt hatte, nahm er Klaus' Rad gleich zum Rose-Service mit (Muchas Grácias, Carlos!). Am nächsten Tag bekam Klaus dann sein Rad mit neuem Shimano-Hinterrad in die Hand gedrückt. weder dieser Service noch die Ausleihe des Hinterrades kostete bei Rose auch nur einen Cent; Klaus musste nur in Arco wieder zurück tauschen. Service erster Klasse, Firma Rose!Zieleinfahrt ...

Rennergebnis:
Platz 40 von 92 in der Kategorie »Grand Masters«.
Etappenzeit 4:58.07,6
ø 23,064 km/h
Platz 318 von knapp 600 in der Gesamtwertung

In der fortlaufenden Wertung:
Platz 39 bei den Grand Masters
Platz 324 in der Gesamtwertung

Während Hanka Kupfernagel an diesem Tag das Rennen aufgegeben hatte, waren wir offensichtlich leicht auf dem Vormarsch. Die Sieger der Grand Masters waren diesmal mit einer Zeit von 3:40 h und einem Schnitt von 31 km/h unterwegs, die Gesamtsieger benötigten 3:29 h, ø 32,9 km/h.

GPS-Streckenprofil:
 

2.07.2010 Sechste Etappe: Kaltern - Trento
120 km, 2.900 Höhenmeter

Trento (Trient) liegt wie Kaltern im Etschtal, gerade mal 50 km vom Start entfernt. Aber so leicht wollte Uli es uns nicht machen: es ging stattdessen sofort auf einen kräftigen Anstieg, den Manghenpass (max. 12%). Danach folgte eine lange, aber unkomplizierte Abfahrt, die schließlich in einer Art Hochebene mündete - wieder eine kaum erträgliche Hitze. Leider war ich hier isoliert und auch nicht wirklich motiviert, »norddeutsch« gegen den Wind zu »knolzen«. Dies sollte sich auch nicht ändern, als eine Gruppe mit »Monte Rombo« in der Führung aufschloss. Ich mochte noch nicht einmal im Windschatten mitfahren.

Vor der Abfahrt nach Trento war noch ein kleiner Hügel zu absolvieren, der mir dann »den Rest« abverlangte. Ich habe mich noch nie so auf eine Abfahrt gefreut wie zu diesem Zeitpunkt vor Trento. Mit einer gewissen Wut im Bauch fährt es sich auch tatsächlich mutiger ... die Sache sprich Abfahrt begann, Spaß zu machen. Die Zeitnahme befand sich aus Sicherheitsgründen deutlich vor dem Stadtzentrum, in das dann entspannt eingefahren werden konnte.

Das Ziel lag auf dem Domplatz in der mittelalterlichen Innenstadt; hier war wegen der Hitze vor allem der Brunnen ganz groß angesagt. Nach einer ausgiebigen Abkühlung in selbigem und dem Auftanken des Flüssigkeitshaushaltes erlebten wir dann Tour-Transalp-Orga in einer Großstadt: Abgabe der Räder in einem gesicherten Areal, dem sog. »Bike-Parc«. Mit Shuttle-Bus Fahrt zu unserem (vermeintlichen) Hotel im Norden der Stadt. Dort erhielten wir die Info, dass wir umgebucht waren, in ein Hotel im Süden der Stadt. Da sich kein anderer Fahrer einfand, wurde ein Familienmitglied beauftragt, insgesamt 4 Fahrer mitsamt ihren großen Transalp-Taschen in seinen Renault-Kleinwagen zu quetschen. So gelangten wir dann zu unserem Hotel. Dort angekommen, trafen wir andere Fahrer, die noch nicht einmal ihre Taschen erhalten hatten ...Steffi und Lena (Corratec Frauenpower) im Brunnen von Trento (Foto: Tour)

Um zur Abendveranstaltung in die Innenstadt zu gelangen, waren wir auf einen weiteren Shuttle-Bus angewiesen, der leider viel zu spät kam. Auf der Pasta-Party war leider fast alles »abgefrühstückt« ... Dieser Tag war nicht meiner! Zufrieden war ich erst, als wir wieder unser Hotel erreicht hatten. Während Klaus sich sofort ins Bett verabschiedete, gönnte ich mir ein Bier und eine Pizza im nahe gelegenen Stehimbiss ...

Rennergebnis:
Platz 38 von 92 in der Kategorie »Grand Masters«.
Etappenzeit 5:28.34,6
ø 20,177 km/h
Platz 316 von knapp 600 in der Gesamtwertung

In der fortlaufenden Wertung:
Platz 39 bei den Grand Masters
Platz 317 in der Gesamtwertung

GPS-Streckenprofil:
 

3.07.2010 Siebte Etappe: Trento - Arco
98 km, 2.000 Höhenmeter

Auch die Strecke Trento-Arco ist eigentlich flach. Uli hatte uns aber noch einen Berg »eingebaut«: den Monte Bordone (nur noch auf knapp 1.600 m gelegen). Der Tag war heiß, gefühlt der heißeste. Der Anstieg war zwar nicht schwer, aber mit ging schnell das Wasser aus. Nach einigen Leihgaben (vielen Dank an eine der Damen vom Team Pfälzerland und an Klaus) schafften wir es aber gemeinsam zur Verpflegungsstelle auf dem Gipfel. Die Abfahrt war eine Art »Autobahn« und entsprechend schnell. Zum ersten Mal während des ganzen Transalps war ich einige Meter vor Klaus ... Nach der Abfahrt wartete ich: für die kommende flache Passage und eine folgende kleine Anhöhe bei Ballino war Teamarbeit angesagt. Diese war bitter nötig: mein »Akku« war doch langsam leer gefahren. Die Krönung des Tages war noch einmal eine rauschende Abfahrt nach Arco mit Blick auf den Gardasee. Nach der wieder einmal vorgelagerten Zeitnahme durfte ich noch einmal auf Klaus warten, um dann gemeinsam mit ihm ins Ziel zu fahren.

Geschafft!! Gerne nahmen wir größere Mengen des hier ausgeschenkten alkoholfreien Hefeweizen entgegen und lagen einigen der erwähnten Mitfahrer/innen in den Armen. Leider fehlte zu dieser Zeit Jan(ibal). Später sollten wir erfahren, dass er an diesem Tag einen hitzebedingten Einbruch hatte und nahe an der Aufgabe gewesen war.Nach 7 Tagen Schwerstarbeit: lecker!

Nachdem in Arco bereits die Räder für den Rücktransport zu verladen waren, fuhren wir wieder im Shuttlebus zu unserem im 4 km entfernten Riva gelegenen Hotel. Leider gelang es wieder einmal nicht, einen pünktlichen Bus für den Rückweg zur Abschlussveranstaltung zu bekommen ... die Frage stellte sich sogar, ob überhaupt einer kommen würde. So enterten wir kurzerhand ein Taxi ... und es hatte sich gelohnt. In Arco fand die Veranstaltung auf dem Kletter-Wettkampfgelände statt, wunderschön gelegen mit einigen echten Felsen im Hintergrund. Es wurden lokale Weine angeboten, was die sowieso schon gute Laune noch einmal steigerte. Nach der Absolvierung der Siegerehrung sollten die Finishertrikots an alle Teilnehmer/innen verliehen werden. Just in diesem Moment entlud sich ein Gewitter, das sich scheinbar die ganze Woche gesammelt hatte: stundenlange Regengüsse in der Folge sprengten die Veranstaltung, auf der überhaupt kein Schutz gegen Unwetter vorgesehen war. Während die Veranstalter alle Hände voll mit der Sicherung ihrer Technik zu tun hatten, hatten wir Mühe, in unser Hotel zurück zu gelangen. Als wir uns schon mit einem Fußmarsch durch den Regen abgefunden hatten, erwischten wir dann doch noch ein Taxi. Im Hotel wurde dann weitergefeiert ... viele andere Fahrer wie z. B. Team AC/DC oder die Israelis zechten hier um die Wette ...

Am nächsten Tag »stimmte« die Transalp-Organisation wieder: in 3,5 Stunden waren wir bereits wieder mit dem Reisebus nach Mittenwald angelangt und konnten mit dem T4 gemnütlich nach Hause fahren ...

Rennergebnis:
Platz 42 von 89 in der Kategorie »Grand Masters«.
Etappenzeit 4:15.27,9
ø 22,312 km/h
Platz 346 von knapp 600 in der Gesamtwertung

In der fortlaufenden Wertung:
Platz 39 bei den Grand Masters
Platz 317 in der Gesamtwertung

GPS-Streckenprofil:
 

Fazit:

Eine außergewöhnliche Erfahrung. Es wird viel Kraft benötigt, mental und körperlich, dafür wird man aber auch richtig belohnt. Faszinierende Landschaften, Radfahren wie im »richtigen Rennen«, menschlicher Zusammenhalt im Zweierteam und im Startblock, interessante Mitfahrer/innen.Achtung: Suchtgefahr!

Man sollte es wieder tun! Zur Nachahmung empfohlen!

 

 
FC St. Pauli Radsport
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