Di Mai 30 @18:00
Training am Deich fällt heute, 2.05. aus
 

Traum oder Albtraum?

25.08.13: Ötztaler RadmarathonEndlich im Ziel ...

Am Ötztaler Radmarathon 2013 nahmen insgesamt 9 Radpiraten teil: unter den diesjährigen Bedingungen mit stundenlanger Dauerberieselung zogen es allerdings zwei von ihnen vor, das Rennen vorzeitig aufzugeben. Mit dieser Entscheidung waren sie nicht alleine: ca. 2.000 Fahrerinnen und Fahrer waren gar nicht erst an den Start gegangen, mehrere weitere hundert gaben ebenfalls im Verlaufe des Rennens auf. 8 Paulianer trotzten den harten Bedingungen: der schnellste von ihnen war nach 9:12 h im Ziel.

Der »Ötztaler« gilt als einer der härtesten Radmarathons. Nominell 238 km mit 5.500 Höhenmetern sind zu bewältigen (in Wirklichkeit sind es ca. 226 km und 5.200 Hm, aber diesen Unterschied spürt man nicht). Inzwischen gibt es viele vergleichbare Veranstaltungen mit z. T. noch härteren Profilen (wie z. B. dem Alpenbrevet oder dem »Alpentraum«), der in diesem Jahr zum 31. Mal ausgetragene Ötztaler hat ihnen allen aber einen Mythos voraus, der in jedem Jahr zehntausende dazu bewegt, an der Verlosung der raren 5.000 Startplätze teilzunehmen.

 Der »Ötztaler« ist ein Radmarathon mit klarem Renncharakter, professioneller organisiert als z. B. die Hamburger Cyclassics (die in diesem Jahr parallel stattfanden). Größtenteils gesperrte Straßen, Zeitnahme via Transponder, eine geniale Streckenabsicherung (im anfänglichen Nebel z. B. durch Fahrzeuge mit Warnblinker), im Feld mitfahrenden Servicewagen und Motorräder u. a. der Firma Mavic (mit Ersatzlaufrädern), medizinischen Begleitfahrzeuge, 5 »Labestationen« mit einem reichhaltigen Angebot, Hubschraubern u. v. m. ...Typisches Profil ...

Entsprechend professionell ist auch das Spitzenfeld besetzt: hier fahren viele Amateure und Ex-Profis wie z. B. in diesem Jahr wieder Jan Ullrich und Jörg Ludewig (der diesmal den zweiten Platz erreichte). Diese Fahrer fahren das Rennen schneller als manches Profirennen: der Sieger Roberto Cunico z. B. in einer Zeit von 7:13 h (zum Vergleich: Jan Ullrich brauchte 8:10 h). Auch die Damen bärenstark: die Siegerin Mona Dietl war 19 Minuten nach Jan Ullrich im Ziel (8:29 h). Die allermeisten Hobbyfahrer brauchen natürlich länger (der - von den Veranstaltern extra ins Ziel begleitete Letzte 13:35 h), aber auch viele von ihnen fahren die extrem profilierte Strecke in unglaublich schnellen Zeiten. Dazu zwei Beispiele: der 64 Jahre alte Walter Weineisen aus Tirol benötigte die Zeit von 9:16 h, die 52 Jahre alte Gabriella Emaldi aus Norditalien 9:39 h. Noch Fragen?

In diesem Jahr startete der Ötztaler unter erheblich erschwerten Bedingungen: in der Nacht vor dem Start hatte ein Dauerregen begonnen, der sich »gewaschen« hatte. Morgens vor dem Start das gleiche Bild. Nichts deutet darauf hin, dass sich die Wetterlage auch nur geringfügig ändern würde. Um die 2.000 Fahrerinnen und Fahrer entschieden sich, unter diesen Bedingungen gar nicht erst an den Start zu gehen, sicherlich eine weise Entscheidung. Aber wir: endlich in der Verlosung einen Startplatz erhalten, 1.000 km angereist ... nein, das ging gar nicht. Also in das Starterfeld einsortieren, sich gegenseitig Mut machen und nervös auf den Startschuss warten.

Nachdem dieser sehr kräftig erklang, begann eine schnelle und in großen Feldern stattfindene leicht abschüssige Fahrt aus dem Ötztal heraus bis in den Ort Oetz (ca. 35 km). Hier hieß es Nerven zu bewahren. Zwar waren die Mitfahrerinnen und Mitfahrer i. d. R. sehr erfahren, aber es ging eng zu und es gab einige Kurven mit großen Radien. Vielleicht lag es an dem nach wie vor schlechten Wetter. Scheinbar blieben die Stürze in dieser Rennphase weitgehend aus (während es in den vergangenen Jahren häufiger schon auf den ersten Kilometern zu Gruppenstürzen kam).Oetztaler-Start im Dauerregen

Und endlich der erste »Berg«: die Passtraße nach Kühtai war zu erklimmen. Auf dieser z. T. sehr steilen Straße (bis zu 18%) war das Feld noch dicht beieinander. Durch die großen Gruppen war es schwierig, zu überholen und einen eigenen Rhythmus zu finden. Aber es war immer noch genügend Arbeit zu leisten, um warm zu bleiben. Oben angekommen in Kühtai die erste Labestation mit einem tollen Angebot, auch warmen Getränken.

Danach begann der wahre Horror: was vorher in der Auffahrt gar nicht zu merken war, zeigte sich in der folgenden Abfahrt in das Sellraintal. Die Klamotten waren nass bis auf die Haut. Nach den ersten 200 - 300 Höhenmetern zitterte der ganze Körper, nur mit Mühe war der Lenker zu halten. Das einzige, was etwas beruhigte: den anderen ging es nicht anders. Viele trauten sich überhaupt nichts mehr, »standen« auf der Bremse oder am Straßenrand. Wir Paulianer ließen es eher etwas flotter angehen, am Ende der Abfahrt spürten wir aber die extremen Verspannungen an Geist und Körper. Dieser Teil der Ötztalers hatte unglaublich Kraft gekostet. Würde es so weiter gehen? Der Verfasser dieser Zeilen dachte sicherlich nicht als einziger ans Aufgeben. Aber erst einmal schauen, wie es weiter geht bzw. was noch »geht«.Gequältes Lächeln ...

Erst einmal ging es aus dem Sellrain heraus in das breite Inntal, das die »Haupttrasse« durch die Alpen bildet. Zunächst südlich Richtung Innsbruck, ein i. W. flacher Kurs. Auf diesem wiederholte sich, was häufig auf Rennen in den Bergen zu beoachten ist: die meisten Fahrer/innen »nehmen die Beine hoch«: flach gegen den Wind zu fahren, ist scheinbar nicht ihr Ding. So konnte man auf diesem Streckenteil als »Nordlicht« viele Plätze gut machen (und sich so wieder warm fahren).

In Innsbruck standen trotz schlechtem Wetter doch viele Menschen an der Straße: ihr Beifall machte uns Mut. Aus dieser schönen Stadt heraus ging es direkt auf den Brennerpass: eine alte Straße mit i. W. moderaten Steigungen, die deshalb gerne von Reiseradlern für ihre Alpenüberquerungen genutzt wird; in Sicht allerdings immer die weniger schöne Brennerautobahn. Für das Feld hieß es aber, das Tempo wieder anzuziehen - mit z. T. Geschwindigkeiten von über 30 km/h bei 3 - 4% aufwärts. Gleichzeitig besserte sich das Wetter: der Regen hörte nach und nach auf.

Ein Teil des Teams fährt zusammen ...Kurz vor dem Erreichen der Kuppe und Grenze nach Italien/Südtirol wird es kurzzeitig doch wieder etwas steiler (9%), dann aber quasi zur Belohnung die zweite Labestation. Danach eine schnelle Abfahrt in das südtiroler Städtchen Sterzing (Vipiteno). Von dort aus war der nächste Pass zu erklimmen. Der jetzt folgende Jaufenpass (Passo di Monte Giovo, 2.100 m) hatte sich wieder »gewaschen«: mit durchschnittlich knapp 9% waren 15 km auf die Passhöhe zu fahren: hier ganz klar diejenigen im Vorteil, die konstant ihren eigenen Rhythmus fahren konnten. Das Wetter besserte sich weiter, es wurde langsam richtig warm.

Kurz vor der Passhöhe wieder eine Labestation. Von der Passhöhe aus eine geniale Abfahrt mit sagenhaften (S-) Kurven, die aufgrund der faktischen Straßensperrung genussvoll ausgefahren werden konnten. Die Abfahrt endet in St. Leonhard im Passeiertal (Richtung Meran). Dort hat man das gute Wetter scheinbar gepachtet: hier auf einmal sommerlich warm: Zeit, das ganze Regenzeug loszuwerden.

Aber der Marathon sollte erst beginnen: die nächste Passstraße zum Timmelsjoch (Passo Rombo) ist 27 km lang und bewegt sich bis auf eine Höhe von 2.500 m. Hier sollte sich zeigen, ob man wirklich genügend trainiert hatte. Für die meisten war diese Frage schon in den folgenden 15 km (mit zunächst kräftigen Steigungen bis zu 9%) auf dem Weg zur nächsten Labestation in Schönau zu beantworten: der Schwung vom Jaufenpass nicht mehr abzurufen, das Tempo wurde langsamer, die Kräfte schwanden. Pures Durchhalten war gefragt. Die Labestation konnte kaum noch Erholung bieten, glich eher einer Tankstelle für Bananen, Gels und Getränke.

Doch noch ein wenig Spaß bei der Sache ... ... und das macht richtig Spaß!

12 km noch bis zum Timmelsjoch, die dort hinführenden Serpentinen sehr schön einsehbar. Und wieder: durchhalten, weiter treten! Und irgendwie funktionierte es auf diese Weise. Auf dem Weg die letzte Labestation, die eher weniger frequentiert wurde. Nach dem Joch eine kleine Abfahrt und uuups: noch ein Gegenanstieg! Dieser war auch noch länger als erwartet und tat richtig weh. Man hat ihn auch als »Wiederholungstäter« nicht wirklich auf dem Plan. Dann aber die Grenze nach Österreich und eine sehr schöne Abfahrt in das Oetztal bis nach Sölden.Leiden auf dem Weg zum Timmelsjoch ...

Einmal noch Gas geben, um über eine scharfe Rechtskurve durch den Zielbogen zu fahren, schön!!! Im überfüllten Ziel konnte man sich noch einmal gut verpflegen, erholen und seine Auszeichnungen abholen (türkises Ötztaler-Trikot und Ötztaler-Button für den Lenkkopf). Später am Abend dann die mannschaftsinterne Feier im Alphof Sölden - nach einem solchen Event floss dort nicht gerade wenig: v. a. Bier und (neu entdeckter) »Heubrand«.

Was bleibt vom Ötztaler Radmarathon 2013?

  • Entweder: der Traum, der zum Albtraum wurde ...
    oder aber:
  • Wiedervorlage bei besserem Wetter. Schließlich müssen die Zeiten noch optimiert werden: ob nun »U8« (unter acht Stunden), »U9«, »U10«, »U11« ...  als Ziel gesetzt werden, muss jede/r für sich selbst beantworten.

Im Anschluss die Ergebnisse unseres Teams (von http://www.datasport.com/):

M1 142. ↑1 Granda Andreas 1973 D-Syke FC St. Pauli Finish 9:12.42,1 Men 271. ↑1 (541)   +
M1 260. ↑1 Hoffmann Helge 1976 D-Düsseldorf FC St. Pauli Finish 9:40.58,8 Men 463. ↑1 (601)   +
M1 183. = Kneller Lars 1973 D-Hamburg FC St. Pauli Finish 9:22.05,5 Men 334. = (663)   +
M1 417. = Langer Matthias 1965 D-Bremen FC St. Pauli Finish 10:09.35,6 Men 697. = (705)   +
M1 418. = Martens Mike 1969 D-Hamburg FC St. Pauli Finish 10:09.35,8 Men 698. = (741)   +
M1 1558. ↓880 Pick Volker 1969 D-Mechernich FC St. Pauli Kühtai 2:12.50,9 Men 2614. ↓1476 (4125)   +
M2 177. = Rambatz Wolf 1958 D-Hamburg FC St. Pauli I Finish 11:09.19,8 Men 1293. = (4202)   +
M1 1441. ↑4 Schmidt Jens Eberhard 1971 A-Pitten FC St. Pauli von 191.. Brenner 6:14.44,3 Men 2442. ↑1 (4392)   +
M1     Schmidt Roland 1968 D-Lüneburg FC St. Pauli I Predicted Start dt 6:45.01,0 Men     (4399)   +
M1 419. = Teller Dirk 1965 D-Weyhe FC St. Pauli Finish 10:09.36,0 Men 699. = (984)   +
 
FC St. Pauli Radsport
FC St. Pauli Radsport
FC St. Pauli Radsport
FC St. Pauli Radsport